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Vollständige Version anzeigen : Reformunwilligkeit?


HF-Purist
11-25-2007, 02:23 PM
Von OE5AKM, Alfred Mateja, mit missionarischem Eifer in PR:

DARC *DL de:OE5AKM 25.11.07 09:35 30 7974 Bytes
Re: Reformunwilligkeit
*** Bulletin-ID: PBHDB0FHN01V ***

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Lieber Richard, liebe Mitleser!

Das Folgende wird keine ausgefeilte, programmatische Schrift, sondern
fasst
einfach ein paar Gedanken, die mir seit einiger Zeit durch den Kopf
gehen.
Bitte zieht euch daher auch nicht an irgendwelchen Details künstlich
hoch -
versucht statt dessen, mein Gesamtanliegen zu verstehen!
----------------------------------------------------------------------------

1 Selbstverständnis und Image nach außen

Während sich die gesamte Welt um uns in einem nie dagewesenen Ausmaß
telekommunikativ vernetzt und es beispielsweise dem Benützer eines
Telefons
völlig gleichgültig ist, ob sein Gespräch über herkömmliches
Kupferkabel,
Glasfaser, Funk, Satellit oder irgendwie übers Internet übertragen
wird, üben
wir uns in vornehmer Selbstbeschränkung: Wir verstehen uns als
FUNKamateure -
und obwohl es seit einiger Zeit Annäherungen ans Internet (EchoLink, D-
Star
usw.) gibt, blicken die meisten von uns noch immer mit einem
deutlichen
Überlegenheitsgefühl auf dieses "Drahtzeug". Dies, obwohl dieses
"Zeug" in
seiner Komplexität jeden Transceiver in den Schatten stellt und die
technische
Qualität von Internetverbindungen jene von Kurzwellenverbindungen fast
ausnahmslos übertrifft: Es ist halt doch kein FUNK!

Woher kommt diese einem Nichtfunker schwer verständliche Haltung?

Wittgenstein sagt: "Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen
meiner
Welt!" - Wenn ich also eine AmateurFUNKprüfung ablege, AmateurFUNK mit
FUNKgeräten betreibe, mich selbst als FUNKamateur bezeichne und
ständig von
FUNK rede, dann grenze ich damit zwangsläufig die "FUNK-Welt" von der
"Nichtfunk-Welt" mental ab und errichte zwischen beiden eine geistige
Barriere.
Und auf einmal wird dann der solcherart ausgegrenzte "Draht" des
Internets für
einen "echten FUNKER" zum Gefahren- und Feindsymbol - und jene
FUNKamateure,
die diesen "Draht" (z.B. bei EchoLink) mitbenützen, erscheinen aus der
Perspektive des "EchtFUNKERS" als Abtrünnige, wenn nicht gar als
Verräter.

Ihr haltet dieses Szenario für übertrieben? - Schön für euch, wenn ihr
das so
seht. Aber lest doch einmal in diversen Amateurfunkforen und -
newsgroups! Ich
garantiere euch: Ihr werdet schnell ernüchtert!

Wie ließe sich diese Situation entschärfen?

Vermutlich sollten wir unser Selbstverständnis in Zukunft stärker vom
Begriff
TELECOM ableiten - einem Überbegriff, der den Begriff Funk subsumiert
aber
nicht mit ihm deckungsgleich ist. Der TELECOM-Begriff grenzt
bedeutungsmäßig
keine einzige Facette unserer "Hobby-Welt" aus, sondern bietet Platz
für alle -
vom klassischen Kurzwellenamateurfunk bis zum internetgestützten
D-Star-Standard, vom EME-Betrieb bis zum lizenzierten Amateuren
vorbehaltenen
QsoNet!

Eine entsprechende interne Wandlung unseres Selbstverständnisses würde
längerfristig auch an die Öffentlichkeit dringen und dort unser Image
korrigieren: Aus dem oft belächelten, ein wenig angestaubt wirkenden
Funkamateur würde der TELECOM-Amateur, der sich mit ALLEN Formen der
TELECOM-Technik amateurmäßig auseinandersetzt und sich in vielen
Fällen
ziemlich gut auskennt!

Um Missverständnissen vorzubeugen: Ich predige hier keinesfalls die
Ablösung
von Funk durch Internet. Ich trete vielmehr für eine bewusste
Einbeziehung
moderner Telecom-Technologien in unser ursprüngliches Hobby ein -
dort, wo es
anders schlecht funktioniert (PLC, Industrie-QRM...) oder wo es
einfach
zweckmäßig ist (Ragchew, fehlende Antennenmöglichkeiten...). Vor allem
aber:
Ich bin davon überzeugt, dass eine derartige Erweiterung unseres
Tätigkeitsfeld
uns genug neue und junge Interessenten erschließen würde!


2 Der Einstieg ins Hobby

"Ich will alles - und das sofort!" - Stößt euch dieses bei unseren
Jugendlichen
geflügelte Wort ebenso ab wie mich? - "Unbescheiden und rotzfrech! Die
sollen
erst einmal etwas dafür tun!" - So oder so ähnlich lauten dann fast
regelmäßig
unsere zornigen Reaktionen. Und die Jungen feixen sich eins und gehen
uns noch
weiter aus dem Weg...

Aber Hand auf's Herz: Würdet ihr nicht auch recht gern vieles sofort
haben -
möglichst gratis und ohne Gegenleistung? - Die Jungen haben uns hier
eines
voraus: Sie sagen offen und ehrlich, was wir kaum zu denken wagen! Und
sie
respektieren durchaus, wenn es das Gewünschte nicht gibt! Zumindest
nicht alles
und nicht gleich. Aber eines ist sicher: Wenn die Bilanz für sie
überhaupt
nicht stimmt, ziehen sie ungerührt weiter...

Nicht alles - aber doch einiges und fast sofort: 12 bis 20 Stunden
lockerer
Unterricht (möglichst geblockt auf 1 Wochenende) statt monatelanges
Kämpfen mit
Kursterminen und spröder Theorie, die am Anfang ohnehin niemand
braucht? Wäre
das ein Kompromiss? - Die Engländer praktizieren ihn seit Jahren und
auch die
Australier - beide mit einem Riesenerfolg: Tausende Neulizenzierte
schafften
bisher mit dieser Entry Level Licence den Einstieg ins Hobby
(selbstverständlich inkluisive Kurzwelle!) und haben sich inzwischen
zu einem
guten Teil auch für höhere Lizenzstufen qualifiziert!

Übrigens: Deutschland wird die Entry Level Licence einführen!

Und Deutschland (ist es wirklich ganz Deutschland?) schreit auf:

"UM HIMMELS WILLEN! DIESER NIVEAUVERLUST! DAS DARF NIEMALS PASSIEREN!"

Seid versichert: Es wird passieren - und es ist nicht einmal schlimm!

Angeblich verdoppelt sich das Weltwissen (was immer das genau sein
mag) alle 5
bis 7 Jahre - bei leider relativ konstant bleibender Verarbeitungs-
und
Speicherkapazität des menschlichen Hirns. Logischer Schluss: Immer
größere
Teile dieses Weltwissens fallen für den Einzelnen unter den Tisch -
zwangsläufig! - Aus der Fülle des Weltwissens ist also auszuwählen,
und zwar
das, was für das konkrete Leben von Belang ist: Der Gebrauch eines
Logarithmenbuchs ist es wohl nicht mehr - eher doch die fachgerechte
Bedienung
eines Taschenrechners!

Auf der Ebene des Einzelnen fällt also von Generation zu Generation
etwas weg,
während anderes dazukommt. Die relevanten Inhalte verlagern sich dabei
laufend
- auch im Amateurfunk. War es in den 20er-Jahren noch notwendig und
relativ
einfach, als Einzelner einen Gesamtüberblick über die
Amateurfunktechnik zu
haben, so ist das heute anders: Man kann und darf sich spezialisieren,
ohne
dabei das Ganze aus den Augen zu verlieren! Vielfach genügt heute auch
ein
Wissen auf einer anderen Ebene: Nicht mehr das konkrete
Schaltungsdetail muss
verstanden werden - immer öfter reicht das Blockschaltbild, das Black
Box-Modell, die grundsätzliche Funktion...

Ähnliches gilt für den Selbstbau: Während ich in meiner Jugend sogar
noch
Widerstände selbst angefertigt habe, hat in jüngster Zeit die Firma
Elecraft
einen Kurzwellentransceiver der Spitzenklasse (Elecraft K3) auf den
Markt
gebracht, der in 7-9 Stunden ohne Lötkolben aus fertig abgeglichenen
Modulen
zusammengesteckt werden kann. - Selbstbau? Selbstkonfiguration?

Stichwort Konfiguration: Allein mit der fachgerechten Konfiguration
unserer
immer komplexer werdenden Hard- und Software stoßen wir heute in
Bereiche vor,
in denen sich vor 50 Jahren jeder Ham hoffnungslos verirrt hätte!
Schon der
häusliche PC hätte ihn vor unlösbare Rätsel gestellt! - Dass es nun
andererseits Hams gibt, die über Jahrzehnte mit der gesamten
Entwicklung
langsam mitgewachsen sind und sie heute - z.T. berufsbedingt - im
kleinen
Finger haben, darf nicht dazu führen, ihr gesammeltes Wissen und
Können auch
einem Einsteiger oder Durchschnitts-Ham abzuverlangen.

Langer Rede kurzer Sinn: Es geht in einer sich immer rascher
wandelnden Welt
ums Optimum - nicht ums Maximum! Deutschland wird aus diesen und
ähnlichen
Gründen die Entry Level Licence einführen. Und Österreich?

73, Alfred, OE5AKM

alfred_mateja
11-25-2007, 04:12 PM
Vielen Dank, du hilfst mir wirklich, meine Ansichten zu verbreiten!
Vielleicht könntest du beim nächsten Mal auch noch den Zeilenumbruch
in Ordnung bringen?

73, Alfred, OE5AKM

HF-Purist
11-25-2007, 05:36 PM
Von OE5AKM, Alfred Mateja, mit missionarischem Eifer in PR:
>
> DARC *DL de:OE5AKM 25.11.07 09:35 30 7974 Bytes
> Re: Reformunwilligkeit
> *** Bulletin-ID: PBHDB0FHN01V ***
> 1 Selbstverständnis und Image nach außen
>
> Während sich die gesamte Welt um uns in einem nie dagewesenen Ausmaß
> telekommunikativ vernetzt und es beispielsweise dem Benützer eines
> Telefons völlig gleichgültig ist, ob sein Gespräch über herkömmliches
> Kupferkabel, Glasfaser, Funk, Satellit oder irgendwie übers Internet übertragen
> wird, üben wir uns in vornehmer Selbstbeschränkung: Wir verstehen uns als

Hallo Alfred,

es ist keine "Selbstbeschränkung" im Sinne von Selbstkasteiung unter
"Entzug" von alternativen Verbindungsmöglichkeiten, da wir als
Funkamateure so weltoffen sind, dass wir auch drahtgebundene
Vernetzung akzeptieren und diese bereits ganz ohne Dein Zutun
realisiert haben. Wir stellen sie im Gegensatz zu Dir nur eben nicht
in den Mittelpunkt, weil uns die Faszination Funk zur Beschäftigung
mit diesem Funkdienst geführt hat. Der Funk steht bei uns
Funkamateuren nun mal im Mittelpunkt und kann auch nicht durch das
Internet ersetzt werden. Ein ganz wesentlicher Aspekt ist, dass man
bei Internet ganz entscheidend von Fremdinfrastruktur abhängt, während
man beim Funk diskriminierungsfrei weltweit Verbindungen schaffen
kann.

> FUNKamateure -und obwohl es seit einiger Zeit Annäherungen ans Internet (EchoLink, D-
> Star usw.) gibt, blicken die meisten von uns noch immer mit einem
> deutlichen Überlegenheitsgefühl auf dieses "Drahtzeug". Dies, obwohl dieses

Dieses "Überlegenheitsgefühl" hast Du wo wahrgenommen? Ich stehe dem
"Drahtzeug" ganz neutral gegenüber. Ja ich nutze es täglich, sogar im
Zusammenhang mit Amateurfunk, ja und? Ich habe damit kein Problem!
Dennoch ist es für mich keinesfalls annähernd Ersatz oder Alternative
für die Freude und Erfahrung, die ich mit meinem Eigenbau-Equipment
auf der kurzen Welle sammle. Genauso wenig, wie für den Segler das
Motorboot.

> "Zeug" in seiner Komplexität jeden Transceiver in den Schatten stellt und die

Das Motorboot stellt in seiner Komplexität auch das Segelboot in den
Schatten - ja und?

> technische Qualität von Internetverbindungen jene von Kurzwellenverbindungen fast
> ausnahmslos übertrifft: Es ist halt doch kein FUNK!

Auch die technische Qualität der "Verbindung" von A nach B ist mit
einem Motorboot fast ausnahmslos besser. Es ist aber eben kein segeln!

Warum kannst Du dies einfach nicht akzeptieren? Wenn Dir schon das
Gefühl dafür abgeht, dann versuche doch wenigstens anhand der
aufgezeigten Analogien zu verstehen worum es dem Funkamateur geht.
Nicht die Funkamateure sind intolerant dem Draht gegenüber, sondern Du
den Funkamateuren gegenüber.

>
> Woher kommt diese einem Nichtfunker schwer verständliche Haltung?
>
> Wittgenstein sagt: "Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen
> meiner Welt!" - Wenn ich also eine AmateurFUNKprüfung ablege, AmateurFUNK mit

Was interessiert mich ein Herr Wittgenstein? Ist das der liebe Gott?

> FUNKgeräten betreibe, mich selbst als FUNKamateur bezeichne und
> ständig von FUNK rede, dann grenze ich damit zwangsläufig die "FUNK-Welt" von der
> "Nichtfunk-Welt" mental ab und errichte zwischen beiden eine geistige

Nein ich differenziere schlicht. Wie ich mit den Worten Messer und
Gabel ein Messer von einer Gabel unterscheide. Denn mit Besteck ist
nicht präzise definiert welches von beiden ich meine. Deswegen grenze
ich mich nicht von Gabel ab, wenn ich ein Messer zum Brot bestreichen
haben will.

> Barriere. Und auf einmal wird dann der solcherart ausgegrenzte "Draht" des
> Internets für einen "echten FUNKER" zum Gefahren- und Feindsymbol - und jene

Aber nur in Deiner Phantasie.

> FUNKamateure, die diesen "Draht" (z.B. bei EchoLink) mitbenützen, erscheinen aus der
> Perspektive des "EchtFUNKERS" als Abtrünnige, wenn nicht gar als
> Verräter.

Unsinn. Der Echolink-Freak belächelt den "Echtfunker" und anders herum
- so what? Der Mensch ist nun mal ein Rudeltier und die "anderen" sind
per Definition die "Spinner". Du wirst, auch als Psychologe mit
philosophischen Touch, die menschliche Natur nicht ändern können. Du
solltest mit Deinem Fachwissen in der Lage sein, diese
Verhaltensmuster richtig einzuschätzen.

> Ihr haltet dieses Szenario für übertrieben? - Schön für euch, wennihr
> das so seht. Aber lest doch einmal in diversen Amateurfunkforen und -
> newsgroups! Ich garantiere euch: Ihr werdet schnell ernüchtert!

Alfred, mal im ernst. Hälst Du diese NG oder die Foren wirklich für
repräsentativ?
>
> Wie ließe sich diese Situation entschärfen?

Mit Deinen Vorschlägen passiert exakt das Gegenteil - noch nicht
bemerkt?

> Vermutlich sollten wir unser Selbstverständnis in Zukunft stärker vom
> Begriff TELECOM ableiten - einem Überbegriff, der den Begriff Funk subsumiert
> aber nicht mit ihm deckungsgleich ist. Der TELECOM-Begriff grenzt
> bedeutungsmäßig keine einzige Facette unserer "Hobby-Welt" aus, sondern bietet Platz
> für alle - vom klassischen Kurzwellenamateurfunk bis zum internetgestützten
> D-Star-Standard, vom EME-Betrieb bis zum lizenzierten Amateuren
> vorbehaltenen QsoNet!

Amateurfunk grenzt keine Facette aus, solange eine HF-Strecke mit
Amateurmitteln betrieben wird. Und selbst QSO.net kann ich
integrieren, genauso wie ich einen Flugsimulator unter dem Begriff
"fliegen" fassen kann, auch wenn man dabei nicht abhebt.

> Eine entsprechende interne Wandlung unseres Selbstverständnisses würde
> längerfristig auch an die Öffentlichkeit dringen und dort unser Image
> korrigieren: Aus dem oft belächelten, ein wenig angestaubt wirkenden
> Funkamateur würde der TELECOM-Amateur, der sich mit ALLEN Formen der
> TELECOM-Technik amateurmäßig auseinandersetzt und sich in vielen
> Fällen ziemlich gut auskennt!

Ein Begriff macht noch kein Image aus! Wir haben Defizite in der
externen Öffentlichkeitsarbeit, das ist richtig, und wir müssen hier
voran kommen. Aber bitteschön als Funkamateure, die die ganze Vielfalt
des Funkdienstes abdecken, von der Tradition bis zur Moderne. Dann ist
da auch nichts angestaubt. Und wer nichts mit Funk machen will,
braucht auch keine Lizenz, sondern macht sein Ding im Internet.

>
> Um Missverständnissen vorzubeugen: Ich predige hier keinesfalls die
> Ablösung von Funk durch Internet. Ich trete vielmehr für eine bewusste

So hörst Du Dich aber an.

> Einbeziehung moderner Telecom-Technologien in unser ursprüngliches Hobbyein -

Alles vorhanden und im Ausbau begriffen. Ganz ohne Dein Zutun.

> dort, wo es anders schlecht funktioniert (PLC, Industrie-QRM...) oder wo es

Muss PLC Einhalt geboten werden. Es ist schlicht nicht hinzunehmen!

> einfach zweckmäßig ist (Ragchew, fehlende Antennenmöglichkeiten...).Vor allem
> aber: Ich bin davon überzeugt, dass eine derartige Erweiterung unseres
> Tätigkeitsfeld uns genug neue und junge Interessenten erschließen würde!

Würde? Ist doch alles vorhanden. Warum ein Konjunktiv?

>
> 2 Der Einstieg ins Hobby
>
> "Ich will alles - und das sofort!" - Stößt euch dieses bei unseren
> Jugendlichen geflügelte Wort ebenso ab wie mich? - "Unbescheiden und rotzfrech! Die
> sollen erst einmal etwas dafür tun!" - So oder so ähnlich lauten dann fast
> regelmäßig unsere zornigen Reaktionen. Und die Jungen feixen sich einsund gehen
> uns noch weiter aus dem Weg...
>
> Aber Hand auf's Herz: Würdet ihr nicht auch recht gern vieles sofort
> haben - möglichst gratis und ohne Gegenleistung? - Die Jungen haben uns hier
> eines voraus: Sie sagen offen und ehrlich, was wir kaum zu denken wagen! Und
> sie respektieren durchaus, wenn es das Gewünschte nicht gibt! Zumindest
> nicht alles und nicht gleich. Aber eines ist sicher: Wenn die Bilanz fürsie
> überhaupt nicht stimmt, ziehen sie ungerührt weiter...
>
> Nicht alles - aber doch einiges und fast sofort: 12 bis 20 Stunden
> lockerer Unterricht (möglichst geblockt auf 1 Wochenende) statt monatelanges
> Kämpfen mit Kursterminen und spröder Theorie, die am Anfang ohnehin niemand
> braucht? Wäre das ein Kompromiss? - Die Engländer praktizieren ihn seit Jahren und

Wohin das führen könnte wurde hinreichend begründet. Wenn die
aufgezeigten Gefahren auszuschließen wären, könnte man sich damit
anfreunden. Aber es gilt die Konsequenzen im Auge zu behalten, die
diese Politik haben kann. Das wäre dann am Ende noch schlimmer.
Außerdem zeigt die Erfahrung schon jetzt, dass das von Dir
geschilderte Szenario nicht zutrifft. Die Jugendlichen ziehen nicht
weiter weil die Hürden zu hoch sind, sondern weil sie sich für andere
Dinge interessieren. Der Amateurfunk teilt dieses Problem mit sehr
vielen Bereichen, mit Ausnahme der Feuerwehren.

Es nützt nichts den Kids etwas hinterher zu werfen, was sie nicht
haben wollen. Du solltest langsam erkennen, dass Dein Ansatz von
Beginn an zum Scheitern verurteilt ist. Es wird nicht funktionieren.
Dies zeigen die letzten 30 Jahre, oder wo blieb der Boom, als die CW-
Prüfung entfallen ist?

> auch die Australier - beide mit einem Riesenerfolg: Tausende Neulizenzierte

1000 pro Jahr auf einem ganzen Kontinent. Ich bitte Dich! 600 davon
wären auch bei den alten Anforderungen gekommen, die anderen 300 sind
sowieso bald Karteileichen und die restlichen 100 retten den
Amateurfunk? Alfred, bist Du wirklich so naiv?

Und Außerdem: Wie hoch war davon noch gleich der Anteil Jugendlicher,
die dem Amateurfunk lange erhalten bleiben?

> schafften bisher mit dieser Entry Level Licence den Einstieg ins Hobby
> (selbstverständlich inkluisive Kurzwelle!) und haben sich inzwischen
> zu einem guten Teil auch für höhere Lizenzstufen qualifiziert!

Ja, die 600, die sowieso gekommen wären ... ist das Deine
Beweisführung?

>
> Übrigens: Deutschland wird die Entry Level Licence einführen!

Und wahrscheinlich einen Fragen- und Antwortenkatalog auf dem Markt
werfen, die Newcomer sich selbst überlassen (ach nee, DARC
Mitgliedsanträge werden Ihnen noch unter die Nase geschoben) und
Lizenzen am Fließband produzieren. Wenn das die Zukunft ist - na
toll.

> Und Deutschland (ist es wirklich ganz Deutschland?) schreit auf:
> "UM HIMMELS WILLEN! DIESER NIVEAUVERLUST! DAS DARF NIEMALS PASSIEREN!"

Wir werden sehen, welche Konsequenzen es haben wird.

> Seid versichert: Es wird passieren - und es ist nicht einmal schlimm!

Ja, da hast Du wohl Recht. Wie schlimm es wird, werden wir sehen. Es
ist in der letzten 30 Jahren auf jeden Fall bereits sehr schlimm
geworden. Ob's noch schlimmer geht?

>
> Angeblich verdoppelt sich das Weltwissen (was immer das genau sein
> mag) alle 5 bis 7 Jahre - bei leider relativ konstant bleibender Verarbeitungs-
> und Speicherkapazität des menschlichen Hirns. Logischer Schluss: Immer
> größere Teile dieses Weltwissens fallen für den Einzelnen unter den Tisch -
> zwangsläufig! - Aus der Fülle des Weltwissens ist also auszuwählen,
> und zwar das, was für das konkrete Leben von Belang ist: Der Gebrauch eines
> Logarithmenbuchs ist es wohl nicht mehr - eher doch die fachgerechte
> Bedienung eines Taschenrechners!

Völlig richtig. Aber auch die Anwendung des Taschenrechners erspart
Dir nicht das Wissen, was Du da überhaupt eintippst und wozu Du es
brauchst, bzw. zu überschlagen, ob das Ergebnis richtig sein kann. Es
geht auch heute nicht ohne kleinem und großen 1 x 1 und auch für
künftige Generationen wird die Gravitationskonstante immer noch die
gleiche bleiben.

> Langer Rede kurzer Sinn:

Wohl wahr ;)

mfg

HF-Purist
11-25-2007, 06:30 PM
On 25 Nov., 17:12, alfred_mateja <alfred.mat...*gmx.at> wrote:
> Vielen Dank, du hilfst mir wirklich, meine Ansichten zu verbreiten!
> Vielleicht könntest du beim nächsten Mal auch noch den Zeilenumbruch
> in Ordnung bringen?
>
> 73, Alfred, OE5AKM

Entschuldige den Zeilenumbruch. Ist ja nur Kosmetik.

Ansonsten: Wir wollen den Lesern dieser NG ja nicht vorenthalten, was
es zu Deinen Thesen zu sagen gibt. Davon abgesehen, hältst Du Deine
Leser für dumm? Nur weil Du Deine Ansichten _kund tust_ _verbreiten_
sie sich nicht zwangsläufig. Die Leser können selbst denken und
Argumente abwägen.

Ich erlebe vielmehr, dass Du die gegenteilige Wirkung von dem
erzielst, was Du zu beabsichtigen scheinst. Selbst Leute, die auch für
eine ELL sind/waren, distanzieren sich von Deinen Methoden. Insofern
dient jede Veröffentlichung von Dir einem weiteren Austausch der
Argumente und diese überzeugen.

Wie misst Du eigentlich den "Erfolg" Deiner Agitation?

mfg