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Alt 11-08-2009, 07:58 PM
Alois Unverdorben
 
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Standard Die Krise des Kapitalismus und die Aufgaben der MarxistInnen – Teil 1


Die Krise des Kapitalismus und die Aufgaben der MarxistInnen – Teil 1

Written by Alan Woods Thursday, 22 October 2009


Auf der diesjährigen Schulung der Internationalen Marxistischen Tendenz
Ende Juli hielt Alan Woods eine Rede über die Natur der gegenwärtigen
Krise des Kapitalismus, in der er die Beziehung zwischen dem
Wirtschaftszyklus und dem Klassenkampf beleuchtet und auch einen Blick
darauf wirft, welche Art von Erholung wir erwarten können angesichts der
enormen Widersprüche, die sich innerhalb des Systems angehäufthaben.
Der Wirtschaftszyklus und der Klassenkampf

Die Welt erlebt die tiefste Krise seit den 1930ern. Trotzki betonte, dass
eine der schwierigsten und kompliziertesten Aufgaben für die marxistische
Analyse die Beantwortung der Frage „in welcher Phase befinden wir uns?“
ist.

Es gibt so etwas wie die Endkrise des Kapitalismus nicht. Der Zyklus aus
Aufschwung und Depression war ein konstanter Wesenszug des Kapitalismus
der letzten 200 Jahre. Das kapitalistische System wird immer auch aus den
tiefsten Krisen herauskommen, bis das System von der ArbeiterInnenklasse
gestürzt wird.

Das ist offensichtlich. Doch die konkrete Frage ist: Wie kommen wir aus
der Krise heraus und zu welchen Kosten? Und die zweite Frage lautet: Wie
sieht die Beziehung zwischen dem Wirtschaftszyklus und dem Bewusstsein der
ArbeiterInnenklasse aus? Trotzki erklärte oft, dass die Beziehung zwischen
dem Wirtschaftszyklus und dem Bewusstsein keine automatische ist. Sie wird
von vielen Faktoren bedingt, die konkret analysiert werden müssen.

Es gibt zwei großartige Artikel von Trotzki, die sich mit dieser Frage
befassen: „Flut“ aus „Die ersten fünf Jahreder Kommunistischen
Internationale“. Der andere Artikel fundamentaler Bedeutung wurde 1932
geschrieben, also während der tiefen Krise, die dem Zusammenbruch von 1929
folgte. Er heißt „Die dritte Periode der Fehler der Komintern“ (8. Jänner
1930). Diese beiden Artikel verdienen es in jeder Hinsicht gründlich
diskutiert zu werden.

Es ist eine elementare Aussage des dialektischen Materialismus, dass das
menschliche Bewusstsein von Haus aus konservativ ist. Die meisten Menschen
mögen keine Veränderungen. Sie leisten neuen Ideen Widerstand.Und sie
hängen an bestehenden Gesellschaftsformen und -ideen, bis sie dazu
gezwungen sind, diese Ideen aufgrund massiver Hammerschläge der Ereignisse
aufzugeben.

Die gegenwärtige Situation des Weltkapitalismus erinnert daran, was
Trotzki 1938 gesagt hat: „Objektiv gesprochen sind die Bedingungen für die
sozialistische Weltrevolution nicht nur gegeben, sondern überreif!“
Historischen gesehen haben die Zustände ihren Bankrott enthüllt. Das ist
jedem klar. Und doch stehen wir mit einem Widerspruch da, einem Paradoxon.
Wenn das stimmt, warum bleiben die Kräfte des Marxismus immer noch in der
Minderheit?

Die Antwort auf diese Frage ist sehr einfach. Das Bewusstsein bleibt weit
hinter der objektiven Situation zurück. Die Massenorganisationen der
ArbeiterInnenklasse bleiben weit hinter der objektiven Situation zurück.
Vor allem bleibt die Führung des Proletariats weit hinter der objektiven
Situation zurück.

Diese Faktoren fielen nicht vom Himmel, sondern wurden durch Jahrzehnte
und Generationen kapitalistischen Aufschwungs mit Vollbeschäftigungund
relativer Verbesserung des Lebensstandards bedingt. Das war die Position
vor allem in den fortgeschrittenen kapitalistischen Nationen, nicht nur
kurze Zeit, sondern für eine Periode von über 50 Jahren. Das bedingt das
Bewusstsein der ArbeiterInnenklasse in Britannien, in Frankreich, in
Spanien, in den USA. Natürlich sind die Bedingungen in der sogenannten
„Dritten Welt“ andere.
Das Bewusstsein der ArbeiterInnenklasse

Es ist ein schwerer Fehler von RevolutionärInnen, das, was wir verstehen,
mit dem zu vermischen, wie die Massen die Dinge sehen. Die meisten
ArbeiterInnen, die Massen, haben nicht dasselbe Bewusstsein wie
MarxistInnen. Der erste Effekt einer tiefen Krise, einer tiefen Rezession
– und es handelt sich um eine tiefe Krise – ist, soweit er die Massen
betrifft, Schock. Die ArbeiterInnen sind betäubt, traumatisiert und
verstehen nicht, was da passiert.

Die meisten von ihnen glauben, dass die Krise vorübergehen wird. Sie
ziehen den Schluss, dass, wenn sie ihre Gürtel enger schnallen, Opfer
bringen und ihre Köpfe unten halten, schließlich alles besser wird und sie
zu den bisherigen Umständen zurückkehren werden. Aus der Sichtder meisten
normalen Leute ist das auch eine logische Schlussfolgerung. Diese Krise
scheint etwas Abnormales zu sein, etwas außerhalb der Ordnung. Und die
Leute wollen zu den „guten alten Tagen“ zurückkehren.

Die „Führenden“ der ArbeiterInnenklasse, die Gewerkschaftsbosse, die
sozialdemokratischen Spitzen, die früheren KommunistInnen, die
Bolivarischen Kader, alle pflichten der Idee bei, dass diese Krise etwas
Vorübergehendes ist. Sie stellen sich vor, dass sie durch ein paar
Nachbesserungen am bestehenden System gelöst werden kann. Und wenn wir
über den subjektiven Faktor – die Führung – sprechen, müssen wir auch
verstehen, dass die Führung dieser Organisationen kein subjektiver Faktor
ist. Sie ist ein wichtiger Teil der objektiven Situation, der eine
Zeitlang den ganzen Prozess zurückhalten kann.

Natürlich ist diese Idee der ReformistInnen, dass alles, was notwendig
ist, mehr Kontrolle und Regulierung ist und dass wir zu den üblichen
Zuständen zurückkehren können, falsch. Diese Krise ist keine normale
Krise, sie ist nicht vorübergehend. Sie markiert einen fundamentalen Bruch
im Gesamtverlauf. Das heißt nicht, dass es keine Erholung der Konjunktur
geben kann. An einem bestimmten Punkt ist das unausweichlich.

Zum gegenwärtigen Moment suchen die bürgerlichen ÖkonomInnen und
PolitikerInnen und vor allem die ReformistInnen verzweifelt nach einer
Wiederbelebung der Konjunktur, um aus der Krise zu kommen. Sie suchen nach
der Konjunkturerholung, die die Erlösung bringen soll. Sie reden permanent
über die „grünen Sprösslinge“ der Erholung. Doch bisher sind die „grünen
Triebe“ sehr schwach und fast unsichtbar.

Die Maßnahmen, die von allen kapitalistischen Regierungen der Welt
getroffen worden sind, sind aus Sicht orthodoxer kapitalistischer
Wirtschaft völlig unverantwortlich. Die einzige Erklärung für diese
Maßnahmen ist Panik. Die herrschende Klasse ist verängstigt von den
sozialen und politischen Auswirkungen der Wirtschaftskrise. Deshalb pumpen
sie gewaltige Summen an Geld in die Wirtschaft und schaffen nie dagewesene
riesige Schulden. Wie jeder weiß, müssen Schulden früher oder später
bezahlt werden. Es ist ein Rezept für eine künftige gigantische Krise.
Welche Art von „Erholung“?

Es ist absolut klar, dass irgendeine Erholung der Konjunktur an einem
gewissen Punkt kommen wird. Doch es ist genauso klar, dass das an den
Problemen, denen sich der Kapitalismus gegenübersieht, gar nichts lösen
wird. Im Gegenteil, es wird eine weitere und tiefere Wirtschaftskrise
vorbereitet und vor allem eine tiefe soziale und politische Krise. Die
Bourgeoisie versucht verzweifelt, das wirtschaftliche Gleichgewicht
wiederherzustellen, das vom Zusammenbruch der letzten 18 Monate
erschüttert ist. Das Problem, dem sie gegenüberstehen, ist, dass all die
Maßnahmen, die sie getroffen haben, um das wirtschaftliche Gleichgewicht
wiederherzustellen, das soziale und politische Gleichgewicht völlig
zerstören werden.

Es gibt einen interessanten Artikel von Trotzki, geschrieben 1932 – am
tiefsten Punkt der Wirtschaftskrise – mit dem Titel „Perspektiven für den
Aufschwung“, wo er sich auf die Auswirkungen der Wirtschaftskrise auf das
Bewusstsein der Massen bezieht. Er sagt Folgendes: „Unzufriedenheit, der
Wunsch, der Armut zu entfliehen, Hass auf Ausbeutende und ihr System, all
diese Emotionen, die jetzt unterdrückt und durch beängstigende
Arbeitslosigkeit und Regierungsrepression nach innen gerichtet sind,
werden ihren Weg nach außen mit doppelter Energie bei den ersten Anzeichen
einer industriellen Erholung finden.“

Es ist eine sehr konkrete Frage. ArbeiterInnen sehen, dass Fabriken
geschlossen werden, ihre Jobs auf dem Spiel stehen, ihre Familien auf dem
Spiel stehen, die Gewerkschaften keine Alternativen bieten. Vorübergehend
hat das einen Streiks zurückhaltenden Effekt. Doch wenn es auch nureinen
kleinen Aufschwung gibt und sie sehen, dass die Bosse die Leute nicht
weiter entlassen, sondern wieder aufnehmen und die Auftragsbücher wieder
gefüllt sind, kann das als mächtiger Antrieb für einen ökonomischen Kampf
wirken.

Zum Beispiel gibt es weltweite Überproduktion bei Stahl. Es gibt „zu viel
Stahl“ (nach Maßstäben des kapitalistischen Systems natürlich). Das ist
verknüpft mit einem steilen Fall in der Autoproduktion. Es gibt ungefähr
30% Überkapazitäten im weltweiten Autosektor. Und Überkapazitäten sind nur
ein anderer Ausdruck für Überproduktion. Die AutoherstellerInnen verkaufen
ihre Lagerbestände, schließen Fabriken und entlassen ArbeiterInnen. Doch
wenn die Lagerabverkäufe beendet sind, wird es eine gewisse kleine
Verbesserung geben, die die ArbeiterInnen zur Aktion ermuten werden.

Ein historisches Beispiel: In den USA gab es von 1929 bis 1933 keine
Streiks. Keine Bewegung außer Unruhen der Arbeitslosen. Doch als es
1933/34 einen leichten Aufschwung gab, begann eine riesige Welle von
Streiks und Fabrikbesetzungen, einschließlich des Streiks von Minneapolis,
der von TrotzkistInnen geführt wurde.

Das hatte einen unmittelbaren Effekt auf die Massenorganisationen in den
Vereinigten Staaten. Es führte zur Schaffung des CIO, dem Kongress der
Industriellen Organisationen, der eine Abkehr von den alten
Werksgewerkschaften, der American Federation of Labor, bedeutete. Der CIO
war eine sehr radikale Gewerkschaft, die bislang unorganisierte Teile der
ArbeiterInnen organisierte. Und wir werden diesen Prozess wieder erleben..

Im selben Artikel schreibt Trotzki, dass ein Revolutionär geduldig sein
muss. Ungeduld ist die Mutter des Opportunismus wie des Linksradikalismus.
Er schreibt auch, dass jedes Parteimitglied verpflichtend der Gewerkschaft
beitreten muss. Er betont die Notwendigkeit für RevolutionärInnen, sich
eng an die Massenorganisationen anzubinden, v.a. an die Gewerkschaften.
Das ist kein Zufall. In einer Krise fühlen die ArbeiterInnen das Bedürfnis
nach Massenorganisationen, um ihre Interessen zu verteidigen und diese
Organisationen werden von der Krise betroffen sein.
Blindheit der Bourgeoisie

Trotzki sagte im „Übergangsprogramm“, dass die Bourgeoisie mit
geschlossenen Augen ins Verderben rast. Diese Worte hätten gestern
geschrieben sein können. Die Bourgeoisie versteht nichts; sie weiß nicht,
was geschieht. Sie befindet sich in einem Zustand der Panik. Deshalb
trifft sie diese unverantwortlichen Maßnahmen. Es ist ein Zeichen der
Verzweiflung.

Das ist wiederum kein Zufall. Lenin strich heraus, dass ein Mensch am
Rande des Abgrunds nicht überlegt, nicht rational denkt. Und der
ignoranteste und dümmste Teil der KapitalistInnen sind die bürgerlichen
ÖkonomInnen. In den letzten zwanzig Jahren gaben sie damit an und
prahlten, dass es keinen Auf- und Abschwung mehr gebe, der
Konjunkturzyklus sei Vergangenheit. Es ist eine Tatsache, dass in der
gesamten letzten Periode über Jahrzehnte die bürgerlichen ÖkonomInnen
keinen einzigen Aufschwung und keinen einzigen Crash vorhersagten.

Ich möchte hinzufügen, dass dasselbe von marxistischen ÖkonomInnen gesagt
werden kann. Über Jahre habe ich viele wunderbare Theorien gehört,
vorgebracht von klugen ÖkonomInnen, die behaupteten, herausfinden zu
können, wie der Zyklus vorhergesehen werden kann. Ich sage euch etwas: Ich
wünschte, sie hätten Recht und könnten mir die Formel ganz geheim
verraten. Wir würden damit eine Menge Geld machen. Doch leider mussich
sagen, dass, so lang ich denken kann, unsere eigenen Vermutungen im
spezifischen Moment des wirtschaftlichen Zyklus öfter falsch als richtig
waren.

Das ist kein Zufall. Die Wirtschaftswissenschaft ist keine exakte
Wissenschaft. Sie war es niemals und wird es nie sein. Alles was man tun
kann, ist den zugrundeliegenden Prozess zu erklären und eine begründete
Vermutung zu den betreffenden Ereignissen auszusprechen. Nichtsdestotrotz
dürfen wir über die bürgerlichen ÖkonomInnen ein wenig uns lustig machen.
Sie entwickelten eine wunderbare neue Theorie, genannt die „effiziente
Markthypothese“. Tatsächlich ist das eine sehr alte Theorie, daran ist
nichts neu. Sie bezieht sich auf die alte Idee, dass „der sich selbst
überlassene Markt alles lösen wird. Er wird sich selbst ausbalancieren.
Solange die Regierung nicht interveniert, diesen schönen Marktmechanismus
nicht zerstört, wird früher oder später alles in Ordnung.sein.“ Darauf
gab John Maynard Keynes die berühmte Antwort: „Früher oder später sind wir
alle tot.“

Ich kann nicht widerstehen, zwei Zitate prominenter bürgerlicher Ökonomen
wiederzugeben, die ein Eingeständnis des Bankrotts darstellen. Barry
Eichengreen, ein berühmter Wirtschaftshistoriker, schreibt jetzt: „Die
Krise hat viel von dem in Zweifel gezogen, was wir über Wirtschaft
dachten.“ Und Paul Krugman, Wirtschaftsnobelpreisträger 2008, sagt ein
Jahr später: „In den letzten 30 Jahren war die makroökonomische Theorie
bestenfalls nutzlos und schlimmstenfalls schädlich.“ So istdas also: Sie
gestehen, dass sie nicht die leiseste Idee über Wirtschaft oder sonst
etwas haben.

Das gesamte System bricht zusammen. Und jetzt trösten sie sich selbst mit
dem Gerede über die „grünen Sprößlinge“ der Erholung. Wenn man sich die
Zahlen ansieht, ist klar, dass die US-Ökonomie weiterhin auf dem
absteigenden Ast ist, besonders was den Industriesektor betrifft.
Wenngleich der Fall weniger steil zu sein scheint, als er es schon war.
Schulden

Ich habe hier die Zahlen des IWF. Sie nehmen für 2010 eine Erholungan.
Das ist eine Vermutung, wahrscheinlich wird sie falsch sein, doch ich
werde diese Berechnungen trotzdem erwähnen. Hier die wunderbare
Perspektive für das nächste Jahr: 0,8% Wachstum für die USA; 1,7% für
Japan (was sehr wenig ist, wenn man etwas von der Geschichte Japans weiß);
für China (das riesige Ressourcen in die Stimulation der Nachfrage
gesteckt hat) 8,5% und für die EU ein fortwährender Fall von 0,1%.

So stehen wir im besten Fall vor einer extrem schwachen Erholung, die
nicht von einer Verbesserung des Lebensstandards, sondern von wilden
Angriffen auf ihn und von Kürzungen bei öffentlichen Ausgaben und
steigender Besteuerung der ArbeiterInnen- und Mittelklasse begleitet sein
wird. Ist das ein Szenario für sozialen Frieden und Stabilität? Eine
Erholung mit solchen Charakteristika wird dazu dienen, die
ArbeiterInnenklasse wütend zu machen und das wird sich in einer Welle von
Streiks und Generalstreiks zeigen, dessen könnt ihr euch sicher sein.

Sprechen wir über die Frage der Schulden. Tatsache ist, dass die
Bourgeoisie, besonders in den Vereinigten Staaten, so verängstigt ist von
den Auswirkungen einer tiefen Depression, dass sie im verzweifelten
Versuch zu verhindern, dass die Depression größer wird, mehr und mehr Geld
und Ressourcen in die Wirtschaft gepumpt hat. Laut IWF werden die
Bruttoschulden der zehn reichsten Nationen 2010 106% des
Bruttoinlandsprodukts betragen. 2007 lagen sie bei 78%. Das bedeutet eine
Zunahme der Schulden innerhalb von drei Jahren um mehr als neun Billionen
Dollar. Das ist ein unglaublicher Zustand, ohne Präzedenzfall in der
Geschichte. Und es kann so nicht weitergehen.

In den 1930ern suchte Hitler Zuflucht zu einer ähnlichen Politik über ein
massives Programm der Rüstungsausgaben. In den USA ging Roosevelt zum New
Deal über, der nebenbei bemerkt die Krise in Amerika nicht gelöst hat. Was
das Problem der Arbeitslosigkeit in Amerika gelöst hat, war nicht der New
Deal, sondern der Zweite Weltkrieg. Und genauso war es für Deutschland.
Hitler musste 1938 in den Krieg ziehen, weil die deutsche Wirtschaft
zusammengebrochen wäre, hätte er es nicht getan. Das war der eigentliche
Grund für den Zweiten Weltkrieg: Die dringliche Notwendigkeit des
deutschen Kapitalismus, seine Probleme auf Kosten Europas zu lösen.

Hitler löste das Problem durch das simple Mittel der Invasion Europas und
die Beschlagnahmung des Wohlstands von Frankreich und den übrigen
imperialistischen Rivalen. Die Perspektive eines Kriegs ist derzeit
ausgeschlossen. Heute befinden sich die europäischen KapitalistInnen im
Wettstreit mit den Vereinigten Staaten. Wer wird gegen die Vereinigten
Staaten kämpfen? Die bloße Idee ist ein Scherz. Es kann unter diesen
Bedingungen keinen Weltkrieg geben. Natürlich wird es immer kleine Kriege
geben. Irak war ein kleiner Krieg. Afghanistan ist ein kleiner Krieg. Es
gibt einen kleinen Krieg in Somalia. Doch ein größerer Krieg zwischen den
Hauptmächten findet nicht statt.

Ich sagte, dass die Zahlen zu den Schulden noch nie so hoch waren, doch
ich sollte sagen, dass sie das in Friedenszeiten noch nie waren. Krieg ist
etwas anderes. Nach dem Zweiten Weltkrieg betrug die Schuld Britanniens
250% des BIP. Und für Amerika über 100%. Das war ein Ergebnis des Zweiten
Weltkriegs. Doch sie lösten dies Schulden durch einen enormen
Wirtschaftsaufschwung nach 1945. Ich werde die Gründe dafür nicht
beleuchten, das ist in anderen Dokumenten nachzulesen (s. Ted Grant: Will
there be a slump? Dt. Wird es einen Crash geben?).

Der Nachkriegsaufschwung dauerte etwa 30 Jahre (bis 1974). Doch das steht
nicht mehr auf der Tagesordnung. Niemand spricht von einer solchen
Perspektive. Die bürgerlichen ÖkonomInnen stimmen überein, dass es ein
langer und schmerzhafter Prozess sein wird, sich aus dem Chaos, in dem wir
uns jetzt befinden, herauszukämpfen. Und weil sie nicht in den Krieg
ziehen können, müssen sich all die Widersprüche intern ineinem wilden
Klassenkampf widerspiegeln. Das ist die wahre Perspektive für die nächste
Zeit.

Die enorme Akkumulation von Schulden heißt Jahre und Jahrzehnte tiefer
Einschnitte und ein Regime permanenter Entbehrungen. Wir können dasals
eine Art Gleichung ausdrücken: Die herrschende Klasse aller Länder kann es
sich nicht leisten die Zugeständnisse aufrechtzuerhalten, die sie in den
letzten 50 Jahren gemacht hat, doch die ArbeiterInnenklasse kann es sich
nicht leisten, weitere Kürzungen bei ihrem Lebensstandard hinzunehmen. Das
ist ein Rezept für Klassenkonflikt. In den fortgeschrittenen
kapitalistischen Ländern (einschließlich Länder wie Schweden, der Schweiz
und Österreich) steht Klassenkampf auf dem Programm. Diese Perspektive ist
aus unserer Sicht die beste Perspektive.

Source:
http://www.marxist.com/krise-kapital...innen-1-de.htm
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Dieser Text unterliegt dem Urheberrecht und
dient exklusiv Ihrer persönlichen Information.
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