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| Newsgroup de.soc.handicap Alles zum Thema Behinderung. |
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#1
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Hallo zusammen,
nachdem ich mich - angeregt durch verschiedene Erlebnisse in meiner Kindheit sowie jüngerer Vergangenheit - einmal wieder intensiver mit Duchenne-Muskeldystrophie befasse, ergeben sich folgende Fragen, die mir das Web irgendwie nicht wirklich beantworten mag. Ich stelle sie deshalb einfach mal hier zur Debatte: 1.) Woran liegt es, dass die Muskelgruppen stets in gleicher Reihenfolge abgebaut werden, obwohl ja jeder Betroffene andere physische Aktivitäten bzw. Belastungen zeigt? 2.) Wie erklärt man, dass - bei Brüdern - der jeweils Jüngere oft einen deutlich schnelleren Krankheitsverlauf zeigt und insgesamt die "ungünstigere Prognose" hat? 3.) Warum kann ein Betroffener noch mit 17 Jahren seinen Aktiv- Rollstuhl (wenigstens innerhalb von Gebäuden) selbst fahren (was in Oberkörper, Armen sowie Lunge belastbare Muskeln benötigt), ohne Assistenz essen etc, während ein Anderer bereits im Alter von 10 Jahren gerade noch seine Finger sowie Augen bewegen kann und zudem temporär beatmet werden muss? 4.) Welche (auch unkonventionellen) Möglichkeiten gibt es für DMD- Betroffene, ihre Muskulatur zu erhalten oder gar - etwa nach längerer krankheitsbedingter Bettruhe - zu regenerieren? Für sachdienliche Beiträge danke ich Euch schon einmal vorab recht herzlich. Viele Grüße Arnd -- -- Mag. Arnd Hellinger - http://de.geocities.com/bahnarnd/ Lothringer Straße 47 D-44805 Bochum, Germany E-Mail: Arnd.Hellinger*googlemail.com |
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#2
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Bitte keine crossposts ohne follow-up!
F'up nach dsmm gesetzt Hallo, Arnd Hellinger schrieb: (...) > 1.) Woran liegt es, dass die Muskelgruppen stets in gleicher > Reihenfolge abgebaut werden, obwohl ja jeder Betroffene andere > physische Aktivitäten bzw. Belastungen zeigt? Gute Frage, jedoch gehe ich davon aus, daß durch die in ihren Grundlagen immer gleiche motorische Entwicklung von Kleinkindern die muskuläre Belastung in Waden und Becken beim Laufenlernen grundsätzlich höher ist als die der Armmuskulatur. Ergo ergibt sich bei diesen Muskelgruppen auch ein höheres Schädigungsrisiko -> hier wird es durch Gewebeuntergang eher zu Umbauprozessen in Form von Fibrinosierungen kommen -> Platz für neue Muskelfasern schwindet -> Wade vergrößert sich zunächst -> bei Erreichen des Umfangslimits (Faszie) entsteht ein Teufelskreis, der zu noch schnellerem Gewebeuntergang führt. > 2.) Wie erklärt man, dass - bei Brüdern - der jeweils Jüngere oft > einen deutlich schnelleren Krankheitsverlauf zeigt und insgesamt > die "ungünstigere Prognose" hat? Wenn dies tatsächlich eine wissenschaftlich erwiesene Tatsache ist und nicht nur eine Hypothese, welche Du aus Deinen Beobachtungen aufgestellt hast, muß ich passen. Die genetische Veränderung des X-Chromosoms ist für jüngeren und älteren Bruder statistisch gleichverteilt. Natürlich könnte man hier noch argumnetieren, daß beim jüngeren Bruder die Eltern bei der Zeugung ein höheres Lebensalter hatten und daher die Wahrscheinlichkeit weiterer genetischer Veränderungen statistisch höher war. Solange beide Brüder altersmäßig nicht allzuweit auseinanderliegen, dürfte diese Möglichkeit jedoch ohne Belang sein. > 3.) Warum kann ein Betroffener noch mit 17 Jahren seinen Aktiv- > Rollstuhl (wenigstens innerhalb von Gebäuden) selbst fahren (was > in Oberkörper, Armen sowie Lunge belastbare Muskeln benötigt), ohne > Assistenz essen etc, während ein Anderer bereits im Alter von 10 > Jahren gerade noch seine Finger sowie Augen bewegen kann und > zudem temporär beatmet werden muss? Das kommt a) auf die genaue Schädigung des Gens an, sowie b) die Unterschiede von externen Schädigungseinflüssen auf die Muskulatur. Hinsichtlich der gentischen Schädigung bei DMD gibt es Betroffene, die überhaupt kein Dystrophin herstellen können und Betroffene, deren genetische Schädigung dazu führt, daß nur etwa 5% des benötigten Dystrophins hergestellt werden können. Dementsprechend ist auch der Verlauf der Erkrankung bei Betroffenen unterschiedlich. > 4.) Welche (auch unkonventionellen) Möglichkeiten gibt es für DMD- > Betroffene, ihre Muskulatur zu erhalten oder gar - etwa nach längerer > krankheitsbedingter Bettruhe - zu regenerieren? Man kann physiotherapeutisch versuchen die Ausdauer der noch vorhandenen Muskulatur zu stärken. Jedoch sollte "Übertraining" vermieden werden, da dies schnell zu weiterer Muskelfaserzerstörung und in einen Teufelskreis führt. Muskelfasern können von DMD Betroffenen prinzipiell noch aufgebaut werden, jedoch wird diese Wahrscheinlichkeit bei zunehmendem Muskeluntergang (CK-Erhöhung) und zunehmender Umbau des zerstörten Muskelgewebes in Fettgewebe und Fibrin immer geringer. Für aktuelle therapeutische Hilfen bei DMD - auch medikamentöser Art (Kortison, Kreatin)- sollte der Facharzt des Betroffenen vor Ort kontaktiert werden, diese sind immer individuell unterschiedlich abzuwägen. Gruß, Mareike |
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