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Newsgroup de.sci.geschichte Geschichtswissenschaft

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  #1  
Alt 10-14-2009, 08:06 PM
Kerstin
 
Beiträge: n/a
Standard Israel

Stimmt es, das am Anfang Jahwe ein Partnerin mit dem Namen Ashera hatte
bevor der Wechsel zum Monotaismus erfolgte? Wo kann man näheres
erfahren?

Gruß
Kerstin



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  #2  
Alt 10-14-2009, 09:20 PM
Helmut Wabnig
 
Beiträge: n/a
Standard Re: Israel

On Wed, 14 Oct 2009 21:06:15 +0200, "Kerstin" <cricky*arcor.de> wrote:

>Stimmt es, das am Anfang Jahwe ein Partnerin mit dem Namen Ashera hatte
>bevor der Wechsel zum Monotaismus erfolgte? Wo kann man näheres
>erfahren?
>
>Gruß
>Kerstin
>
>

hmmm...

Google "Monotaismus" 4 Treffer.


(Ab nu sinds 5)

w.
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  #3  
Alt 10-15-2009, 09:32 AM
Sina Da Ponte
 
Beiträge: n/a
Standard Re: Israel

Hallo Kerstin,

Kerstin schrieb:
> Stimmt es, das am Anfang Jahwe ein Partnerin mit dem Namen Ashera hatte
> bevor der Wechsel zum Monotheismus erfolgte? Wo kann man näheres
> erfahren?


So ließe sich argumentieren, wenn man vereinzelten Funden mit
entsprechenden Inschriften allein vertraute. Allerdings ist dabei viel
Vorsicht vonnöten, weil die überlieferte Religionsgeschichte der Juden
duch diverse Redaktionsphasen ihrer Heiligen Bücher korrumpiert ist und
deshalb ein sehr verschwommenes Bild besonders von den Anfängen des
religiösen Status vorherrscht.
Einfacher gesprochen: Niemand weiß Genaues.

Aber folgendes läßt sich konstatieren:

Die Einwanderung diverser Stämme nach Palästina (zu dem auch das
biblisch sog. 'Land Kanaan' gehört) erfolgte nicht, wie es die
Geschichtsbücher der /Schrift/ und auch schon die Tora suggerieren
wollen, in einem Zuge durch das sog. 'Volk Israel', das dann unter
seinem Herrführer Joshua sein neues Territorium (das 'Gelobte Land')
erobert hätte, sondern war erwiesenermaßen ein allmähliches Einsickern
ganz unterschiedlicher Stämme (zu dem auch ein Verschmelzen mit
autochthonen - allerdings sehr rückständigen Bewohnern [der
Bergregionen] - gehörte), die natürlicherweise auch ganz
unterschiedliche religiöse Vorstellungen hatten.

Die Ausbildung hin auf monotheistische Vorstellungen war ein
jahrhunderte währender Prozeß; davor pflegten jene Stämme, die später
zum 'Volk Israel' vereint wurden, polytheistische Vorstellungen wie auch
ihre gesamte vorderorientalsche kulturelle Umwelt.

Zwei Dinge sind zunächst mal - im bereits redigierten /Schrifttext/ -
signifikant:
1. Es gibt nicht einen, sondern (mindestens) 2 GOttesnamen.
2. Es ist selbst den Redakteuren, die einen eindeutigen Monotheismus
präferierten, nicht gelungen, den /El/ mancher /Schrift/teile durch
JAHWE zu ersetzen.

Was lernen wir daraus?

Zweifellos eines: Daß nämlich manche Teile der /Schrift/, in denen der
israelitische Gott /El/ heißt, so heilig waren, daß sich niemand getraut
hat, sie so zu verstümmeln, daß der Name /El/ verschwindet!

Und nun ist ja, oben wurde es bereits angedeutet, die Geschichte des
Werdens des Volkes Israel - besonders hinsichtlich des
Ägyptenaufenhaltes und der unter Moses geführten "Rückkehr" in die
vorgebliche Heimat - eine erfundene Gerschichte, die kein
geschichtlich-archäologisches /fundamentum in re/ hat. Ineins mit obigem
Gottesnamenproblem läßt sich daraus schließen, daß jene Stämme, die in
einem langen geschichtl. Prozeß in Palästina eingesickert sind, auch
ganz unterschiedliche Götter verehrten, wobei /El/ in der in Frage
kommenden Zeit ein Gott ist, der im ganzen AO verbreitet ist und
zahlreiche Kulte genießt, derweil JWHW zweifellos einen sehr exotischen,
marginaler vorderorientalischer Gott repräsentiert, der
höchstwahrscheinlich von Midian herkommend nach Palästina importiert
wurde (die Eröffnung des GOttesnamens geschah ja dort lt. /Schrift/text).

So, soviel mal zur Propädeutik ...

Jetzt zu Ashera: Sie ist eine der ältesten Gottheiten des gesamten AO
und erfährt in diversen Regionen des Vorderen Orients unter diversen
Ausprägungen viele Kulte. Zurück geht sie letztlich auf die mächtige
sumerisch/akkadische Göttin /Inannna/ bzw. /Ischtar/. Auch die aus dem
Tanach und dem Alten Testament wohlbekannnte /Astarte/ ist letztlich
eine Spielart Ischtars, eben genauso wie Ashera (die diversen Namen
hängen auch alle etymologisch zusammen; ihr Stern war die Venus [Morgen-
*und* Abendstern], im AO zumeist als achteckiger Stern dargestellt).

Und in *Kanaan*, jenem Land, das die Israeliten angeblich eroberten bzw.
mit dem sie lange in Streit lagen (Philister), war Ashera die ehelich
verbundene Göttin neben El!
El aber ist identisch auch mit den diversen Baalen, die im Tanach immer
wieder als jene Götter dargestellt werden, denen die Israeliten nicht
anhängenn sollen, weil ihr GOtt JWHW sei!
Und folglich: Es ist offensichtlich, daß zumindest Teile der späteren
Israeliten zuerst Anhänger von El/Baal/Ashera/Astarte etc. waren, diese
kultisch verehrten und damit in Konflikt mit den Anhängern JWHWs kamen.
Das liegt u.a. auch daran, daß die hochentwickelte städtische Kultur
Kanaans etc. (vgl. z.B. Ugarit/Ras Schamra) für die primitiven
(hauptsächlich agrarisch operierenden) und kulturell unterwickelten
Israeliten eine hohe Anziehungskraft besaß; weshalb sie *auch* denn
entsprechenden Gottheiten annzuhängen immer wieder in Versuchung standen.
Und freilich gab es eben auch entsprechende Überlieferung, Heilige
Texte, Mythen und Sagen, die eigentlich das "Urgestein" unseres heutigen
AT's sind wie auch des jüdischen Tanachs repräsentieren. - Es kann kein
Zufall sein, daß ausgerechnet in exilischer Zeit (also während die
Israeliten wieder mal vertrieben waren) und während kritischer Phasen
der kleinen, nicht besonders mächtigen unnd infolgedessen ständig
gefährdeten israelitischen Königreiche (das "Reich" Davids/Salomons ist
großteils auch bloß ein Mythos) besonders viel an diesen alten Texten
"herumgemacht" wurde, vermutlich besonders von den JWHW-Priestern, die
ja am allermeisten daran interessiert sein mußten (zusammen mit der
Herrscherkaste), daß das Volk "bei der Stange" blieb, weil sie sonst
ihre Machtbasis verloren hätten (rel. Glaube ist in instituioneller Form
ja *immer* herrschaftsstabilisierend).

---> Schluß: Es scheint also, daß Ashera wie auch zahlreiche andere
Götter zum ursprünglichen Glaubensrepertoire der Israeliten gehört hat -
und zudem selbst später, als der Übergang zum Monotheismus erfolgte,
weiterhin ständig die Gefahr bestand, daß ein Rückfall erfolgen würde
(sei's im Exil [Babylon], sei's wegen der Verführungen des
zivilisierten Kanaan) und JWHW damit die Verehrer anbspenstig gemacht
würden. Deshalb sind die redaktionellen Stufen des Tanach ein stets sich
steigerndes Abwehren der anderen Götter bis hin zu sehr gereizten
Exzessen des Verrufens der anderen Religionen (das Ganze hat was
Hysterisches an sich!).

Offenbar jedoch gab es Teile dieser El-Baal-usw.-Überlieferung, an die
sich die Redakteure nicht herantrauten. - Warum das so war, solltest du
allerdings besser in den großen Standardwerken zum Thema studieren
(schau' z.B. in Ringgrens Darstellung der Israelitischen Religion oder
in Eissfelds dazu einschlägig bekannten Studien und Monographien usw.
nach); ich sage hier nur soviel, daß u.a. zu vermuten steht, die
entsprechenden Erzähl- und Schrifttraditionnen seien einfach zu
weitverbreitet und beliebt gewesen (wohl auch vom Glanz der Heiligkeit
umweht), als daß es sich die Priester und Redakteure getraut hätten, sie
zu eliminieren bzw. vollkommen umzuschreiben. Und *deshalb* ist (neben
anderen gründen) die Tradition um Ashera und ihrer ao-lichen Varianten
im Tanach erhalten geblieben: OPffenbar war die Macht der narrativen und
schriftlichen Überlieferung zu gewaltig, als daß diese Spuren
vollkommen hätten getilgt werden können! - Selbst dann nicht, als der
rel. Monotheismus längst zur Glaubensdoktrin erstarrt war ...

Bedenke in diesem Zusammenhang auch, daß das erste Gebot (es ist ja
eigentlich ein Verbot) des mosaischen Dekaloges natürlich
*selbstredend* die Existenz anderer Götter neben IHM voraussetzt! Daraus
läßt sich mühelos ableiten, daß der israelitische Monotheismus
*ursprünglich* gar kein Monotheismus war - denn man räumte ja ein, es
gebe andere Götter -, sondern was die Religion ursprünglich
auszeichnete war zunächst einmal, daß nur ER kultische Verehrung
genießen sollte, die anderen dagegen nicht ...

.... ein Schelm, wer Böses dabei denkt! ;-)

Viele Grüße

Sina
Mit Zitat antworten
  #4  
Alt 10-15-2009, 02:00 PM
Klaus Schaefers
 
Beiträge: n/a
Standard Re: Israel

"Kerstin" schrieb
> Stimmt es, das am Anfang Jahwe ein Partnerin mit dem Namen Ashera hatte
> bevor der Wechsel zum Monotaismus erfolgte? Wo kann man näheres
> erfahren?


Gesichertes wissen wir über den Jahu/Jahwe Kult in Elephantine, einer
jüdischen Militärkolonie auf einer äg. Nilinsel ~400 vC.

Die dortigen Juden verehrten mehrere, auch weibl. Götter:

"Das beweist schlagend die außerhalb der Steuerliste genannte Göttin
Anath-Jahu (die Anath des Jahu), Dies weist auf den weiblichen Paredros des
Gottes, wie Astarte in der Eschmunazar-Inschrift (AOT 447; ANET 505)
als »Name des Baal« begegnet."
[Elephantine-Urkunden. Religion in Geschichte und Gegenwart, RGG³]

Wenn Jahwe auf Elephantine mit der Göttin Anath vermählt war, warum sollen
die in Palästina gefundenen Ostraka mit der Benennung "Jahwe und seine
Ashera" weniger Aussagekraft haben?

Mehr zu diesem Thema:

http://www.uni-due.de/~gev020/course...enberger03.htm

Gruß Klaus

>
> Gruß
> Kerstin
>
>
>


Mit Zitat antworten
  #5  
Alt 10-15-2009, 06:11 PM
Sina Da Ponte
 
Beiträge: n/a
Standard Re: Israel

Hallo Klaus,

Klaus Schaefers schrieb:

[JHWH und Ashera]

> Gesichertes wissen wir über den Jahu/Jahwe Kult in Elephantine, einer
> jüdischen Militärkolonie auf einer äg. Nilinsel ~400 vC.
>
> Die dortigen Juden verehrten mehrere, auch weibl. Götter:
>
> "Das beweist schlagend die außerhalb der Steuerliste genannte Göttin
> Anath-Jahu (die Anath des Jahu), Dies weist auf den weiblichen Paredros
> des
> Gottes, wie Astarte in der Eschmunazar-Inschrift (AOT 447; ANET 505)
> als »Name des Baal« begegnet."
> [Elephantine-Urkunden. Religion in Geschichte und Gegenwart, RGG³]


Danke für diesen Hinweis. Freilich wäre es interessant zu erfahren,
inwieweit die jüdische Kolonie im 4. Jhd. (sic!) v.u.Z. noch als
eigentlich "jüdisch" zu bezeichnen ist. In dieser Zeit hatte sich der
monoth. JHWH-Glauben bei den Israeliten doch schon ziemlich
stabilisiert. Oder?

> Wenn Jahwe auf Elephantine mit der Göttin Anath vermählt war, warum sollen
> die in Palästina gefundenen Ostraka mit der Benennung "Jahwe und seine
> Ashera" weniger Aussagekraft haben?


Das ist vollkommen richtig. Meinen Informationen nach stammen die
Ostraka allerdings aus dem 8. bzw. 7. Jhd. v.u.Z.

[...]

Freundliche Grüße

Sina

Mit Zitat antworten
  #6  
Alt 10-16-2009, 05:48 AM
Frank Zeeb
 
Beiträge: n/a
Standard Re: Israel

Sina Da Ponte wrote:

[Elephantine]
> Danke für diesen Hinweis. Freilich wäre es interessant zu erfahren,
> inwieweit die jüdische Kolonie im 4. Jhd. (sic!) v.u.Z. noch als
> eigentlich "jüdisch" zu bezeichnen ist. In dieser Zeit hatte sich der
> monoth. JHWH-Glauben bei den Israeliten doch schon ziemlich
> stabilisiert. Oder?


Immerhin schreiben sie nach Jerusalem mit Detailfragen zum Passafest,
von daher ist wohl schon mit einer Verwurzelung an den Ursprüngen zu
rechnen.

>> Wenn Jahwe auf Elephantine mit der Göttin Anath vermählt war, warum sollen
>> die in Palästina gefundenen Ostraka mit der Benennung "Jahwe und seine
>> Ashera" weniger Aussagekraft haben?


> Das ist vollkommen richtig. Meinen Informationen nach stammen die
> Ostraka allerdings aus dem 8. bzw. 7. Jhd. v.u.Z.


Tun sie. Ich persönlich halte es für möglich, dass wir zwischen einer
Stadtreligion der Oberschicht und der Familien- und Volksreligion zu
unterscheiden haben. Schriftliche Quellen sind dann ebenfalls zu
unterscheiden: Was in die "Bibel" eingeht, sind wohl eher Dokumente
einer offiziellen Theologie, über die Volksreligion wissen wir
schlichtweg nicht allzuviel.

Gruß
Frank
Mit Zitat antworten
  #7  
Alt 10-16-2009, 11:00 AM
Klaus Schaefers
 
Beiträge: n/a
Standard Re: Israel

"Frank Zeeb" schrieb
> Sina Da Ponte wrote:
>
> [Elephantine]
>> Danke für diesen Hinweis. Freilich wäre es interessant zu erfahren,
>> inwieweit die jüdische Kolonie im 4. Jhd. (sic!) v.u.Z. noch als
>> eigentlich "jüdisch" zu bezeichnen ist. In dieser Zeit hatte sich der
>> monoth. JHWH-Glauben bei den Israeliten doch schon ziemlich
>> stabilisiert. Oder?

>
> Immerhin schreiben sie nach Jerusalem mit Detailfragen zum Passafest,
> von daher ist wohl schon mit einer Verwurzelung an den Ursprüngen zu
> rechnen.
>
>>> Wenn Jahwe auf Elephantine mit der Göttin Anath vermählt war, warum
>>> sollen
>>> die in Palästina gefundenen Ostraka mit der Benennung "Jahwe und seine
>>> Ashera" weniger Aussagekraft haben?

>
>> Das ist vollkommen richtig. Meinen Informationen nach stammen die
>> Ostraka allerdings aus dem 8. bzw. 7. Jhd. v.u.Z.

>
> Tun sie. Ich persönlich halte es für möglich, dass wir zwischen einer
> Stadtreligion der Oberschicht und der Familien- und Volksreligion zu
> unterscheiden haben. Schriftliche Quellen sind dann ebenfalls zu
> unterscheiden: Was in die "Bibel" eingeht, sind wohl eher Dokumente
> einer offiziellen Theologie, über die Volksreligion wissen wir
> schlichtweg nicht allzuviel.


Darauf hat nachdrücklich Rainer Albertz hingewiesen:

Religionsgeschichte Israels in Alttestamentlicher Zeit (2 Bände)

"Die Geschichte der israelitisch-jüdischen Religion von den frühesten noch
erkennbaren Anfängen bis in die hellenistische Zeit wird hier nicht nur in
ständigem Rückzug auf die Religionen der vorderorientalischen Umwelt,
sondern auch unter umfassender Einbeziehung der israelitischen
Sozialgeschichte dargestellt. Religionsgeschichte wird beschrieben als
Wechselspiel zwischen geschichtlichen Herausforderungen, religiösen
Erfahrungen und theologischen Reaktionen, als fortlaufendes Ringen
unterschiedlicher Gruppen um die Gott angemessene religiöse Antwort und die
ihr entsprechende gesellschaftliche Praxis.
Der breite methodische Ansatz, der archäologische, geschichtliche, sozial-,
literatur- und religionsgeschichtliche Daten zu einem lebendigen Szenarium
zusammenbindet, macht aus dem Werk eine Lehrbuch, das dem Leser einen
anregenden Überblick über das gesamte Gebiet der alttestamentlichen
Forschung vermittelt. In Band 2 wird erstmals der bislang vernachlässigten
nachexilischen Epoche der ihr gebührende Platz eingeräumt.
Der Verfasser bezieht die Leser in den theologischen Diskurs der biblischen
Menschen ein und läßt sie Anteil nehmen an ihren Ängsten und Hoffnungen,
ihren Leiden und Kämpfen."

http://www.theologie-examen.de/index..._examen_at.htm

Aus meiner Sicht durchaus lesenswert!

Gruß Klaus


>
> Gruß
> Frank


Mit Zitat antworten
  #8  
Alt 10-16-2009, 11:00 AM
Klaus Schaefers
 
Beiträge: n/a
Standard Re: Israel

klauslynx*t-online.de wrote:
> "Klaus Schaefers" schrieb
>> "Kerstin" schrieb
>>> Stimmt es, das am Anfang Jahwe ein Partnerin mit dem Namen Ashera
>>> hatte bevor der Wechsel zum Monotaismus erfolgte? Wo kann man
>>> näheres erfahren?

>>
>> Gesichertes wissen wir über den Jahu/Jahwe Kult in Elephantine, einer
>> jüdischen Militärkolonie auf einer äg. Nilinsel ~400 vC.
>>
>> Die dortigen Juden verehrten mehrere, auch weibl. Götter:
>>
>> "Das beweist schlagend die außerhalb der Steuerliste genannte Göttin
>> Anath-Jahu (die Anath des Jahu), Dies weist auf den weiblichen
>> Paredros des
>> Gottes, wie Astarte in der Eschmunazar-Inschrift (AOT 447; ANET 505)
>> als »Name des Baal« begegnet."
>> [Elephantine-Urkunden. Religion in Geschichte und Gegenwart, RGG³]
>>
>> Wenn Jahwe auf Elephantine mit der Göttin Anath vermählt war, warum
>> sollen die in Palästina gefundenen Ostraka mit der Benennung "Jahwe
>> und seine Ashera" weniger Aussagekraft haben?
>>
>> Mehr zu diesem Thema:
>>
>> http://www.uni-due.de/~gev020/course...enberger03.htm

>
>
> Ich habe mir die Überreste samt Geschichte der jüdischen Einheit auf
> Elephantine in Ägypten angesehen. Soweit schon richtig.Aber wer sagt
> denn nun , dass "Jahwe" oder wie immer so geschrieben der Name des
> Gottes der Israeliten war bzw. Ist.Nach dem Einsickern/Einwandern der
> Israeliten in das als "Kanaan" bezeichnete Land gab es eine längere
> Zeit sicherlich konkurierende Religionen.Speziell durch den
> vorherrschenden Baalskult mit dem eher als Frühstücksdirektor
> anzusehenden "El" als obersten Gott samt Göttergemeinschaft.Es war
> eine Zeit des Übergangs der Israeliten von Nomandenleben zum Lebens
> als Siedler und später Städter in eigentlich wenig besiedelten
> Gebieten des Landes.


Dazu schrieb ich Dir vor einiger Zeit:

"Schließlich gelang es einer kleineren Gruppe, den in
der Bibel erzählten Auszug aus Ägypten zu vollbringen, einen Pharao zu
überlisten und in die Sinai-Wildnis zu entkommen. Das war die am meisten
ägyptisierte Gruppe, unter der nicht wenige ägyptische Namen hatten:

Moses, Hophni, Phineas, Puti-El.

Und den erwähnten Hinweis, dass der Kult um die Götter des Exodus im
Nordreich stattfand!

Später, nach der Zerstörung des Nordreichs, sickerte die Erzählung ins
Südreich und dessen Literatur ein. Gleichwohl bewahrt 2 Sam 7,23 (im hebr.
Text) noch getreu den Hinweis:

Und wer ist wie dein Volk, wie Israel...bei der Götter hingegangen sind um
es loszukaufen!

Korrekte Bibelübersetzungen wären zweckmäßig, aber aus Glaubenstraditionen
wohl kaum erhältlich!"

Nur wenige Israeliten kamen aus Ägypten, die meisten saßen in Palästina und
übernahmen nach dem Niedergang der kanaanitischen Städte die Oberherrschaft.


> Bei den zunehmenden Bemühungen der Abgrenzung zu
> den vorhandenen Göttern hatte es gewiß noch längere Zeit
> Überschneidungen oder Gemeinsamkeiten gegeben.Besonders auch deshalb,
> weil die Israeliten den hier schon längere Zeit befindlichen Völkern
> militärisch lange unterlegen waren.Sie gingen den Weg der geringsten
> Konfontation mit den Ansässigen und siedelten dort wo Platz war und
> wo die Wahrscheinlichkeit des Ausbruchs größerer Konflikte eher
> unwahrscheinlich war.In der Religion zu den Ansässigen gab es den
> Unterschied, dass die Kanaaniter eben ein Vielzahl von Göttern mit
> unterschiedlichen Zuständigkeiten hatten und bei den Israeliten eben
> der Gott der Juden alles zuu regeln hatte.


Der Gott der Juden ist mE. allmählich durch Verschmelzung der Eigenschaften
der vielen Götter entstanden.

> Die" Vermählung "dürfte
> eher ein Rest der zeitweiligen Vermischung religiöser Gedanken gewesen
> sein.In spätere Zeit gab es noch viel weitergehende Glaubensrichtungen im
> Judentum.Für das Gesamtbild halte ich diese
> Einzelheiten eher für unwichtig, es sei denn man will eine neue
> "Religion" gründen.


Ist eigentlich schon geschehen, die Bahai-Religion. Ich habe mir deren
Zentrum in Haifa mal angesehen, recht interessant!

Gruß Klaus




> Gruß KLaus Lynx


Mit Zitat antworten
  #9  
Alt 10-16-2009, 11:00 AM
Klaus Schaefers
 
Beiträge: n/a
Standard Re: Israel

"Sina Da Ponte" schrieb
> Hallo Klaus,
>
> Klaus Schaefers schrieb:
>
> [JHWH und Ashera]
>
>> Gesichertes wissen wir über den Jahu/Jahwe Kult in Elephantine, einer
>> jüdischen Militärkolonie auf einer äg. Nilinsel ~400 vC.
>>
>> Die dortigen Juden verehrten mehrere, auch weibl. Götter:
>>
>> "Das beweist schlagend die außerhalb der Steuerliste genannte Göttin
>> Anath-Jahu (die Anath des Jahu), Dies weist auf den weiblichen Paredros
>> des
>> Gottes, wie Astarte in der Eschmunazar-Inschrift (AOT 447; ANET 505)
>> als »Name des Baal« begegnet."
>> [Elephantine-Urkunden. Religion in Geschichte und Gegenwart, RGG³]

>
> Danke für diesen Hinweis. Freilich wäre es interessant zu erfahren,
> inwieweit die jüdische Kolonie im 4. Jhd. (sic!) v.u.Z. noch als
> eigentlich "jüdisch" zu bezeichnen ist. In dieser Zeit hatte sich der
> monoth. JHWH-Glauben bei den Israeliten doch schon ziemlich stabilisiert.
> Oder?


Man geht davon aus, dass die Jahu/Jahwe Verehrer in Elephantine aus dem
Nordreich stammten, also wohl bereits ~300 Jahre dort ansässig waren;
gleichwohl den religiösen Standard der ehemaligen Bewohner Nord-Israels noch
einigermaßen repräsentieren. In dem nachexilischen Jerusalem dürfte der
Monotheismus in gewissen Kreisen gefestigt gewesen sein. Die Makkabäerzeit
mahnt uns aber, in dieser Sache vorsichtig zu denken. Selbst die
Jahwe-Krieger um 150 vC. waren noch unsicher:

Da entdeckten sie, daß alle Toten unter ihren Kleidern Amulette der Götter
von Jamnia trugen, obwohl das den Juden vom Gesetz her verboten ist. Da
wurde allen klar, daß die Männer deswegen gefallen waren (2.Makk 12,40)

>
>> Wenn Jahwe auf Elephantine mit der Göttin Anath vermählt war, warum
>> sollen
>> die in Palästina gefundenen Ostraka mit der Benennung "Jahwe und seine
>> Ashera" weniger Aussagekraft haben?

>
> Das ist vollkommen richtig. Meinen Informationen nach stammen die Ostraka
> allerdings aus dem 8. bzw. 7. Jhd. v.u.Z.


Wohl zutreffend, wie oben gezeigt, hielt sich über eine sehr lange
Zeitspanne, Polytheismus, Monolatrie und zuletzt quasi Monotheismus
nebeneinander, bis der 2. Tempel fiel:

Für die beiden Böcke soll er Lose kennzeichnen, ein Los «für den Herrn» und
ein Los «für Asasel». (Lev 16,8)

Kommentar der EinhÜ:
"Der Ritus mit dem Sündenbock für Asasel geht wohl auf einen alten Brauch
zurück, der durch den Jahwekult nicht ganz verdrängt werden konnte und darum
als symbolische Handlung in das Ritual des Versöhnungstags eingebaut wurde.
Asasel ist ein Wüstendämon. Alle Sünden Israels sollen durch die
Handauflegung gleichsam auf den Ziegenbock geladen und mit ihm in die Wüste,
zu den Wüstendämonen, getrieben werden."

Aus meiner Sicht selbst bis 70 nC noch kein lupenreiner Monotheismus.

Gruß Klaus

>
> [...]
>
> Freundliche Grüße
>
> Sina
>


Mit Zitat antworten
  #10  
Alt 10-16-2009, 11:17 AM
 
Beiträge: n/a
Standard Re: Israel


"Klaus Schaefers" <kschaefers*t-online.de> schrieb im Newsbeitrag
news:hb9g7o$58e$00$1*news.t-online.com...
> klauslynx*t-online.de wrote:
>> "Klaus Schaefers" schrieb
>>> "Kerstin" schrieb
>>>> Stimmt es, das am Anfang Jahwe ein Partnerin mit dem Namen Ashera
>>>> hatte bevor der Wechsel zum Monotaismus erfolgte? Wo kann man
>>>> näheres erfahren?
>>>
>>> Gesichertes wissen wir über den Jahu/Jahwe Kult in Elephantine, einer
>>> jüdischen Militärkolonie auf einer äg. Nilinsel ~400 vC.
>>>
>>> Die dortigen Juden verehrten mehrere, auch weibl. Götter:
>>>
>>> "Das beweist schlagend die außerhalb der Steuerliste genannte Göttin
>>> Anath-Jahu (die Anath des Jahu), Dies weist auf den weiblichen
>>> Paredros des
>>> Gottes, wie Astarte in der Eschmunazar-Inschrift (AOT 447; ANET 505)
>>> als »Name des Baal« begegnet."
>>> [Elephantine-Urkunden. Religion in Geschichte und Gegenwart, RGG³]
>>>
>>> Wenn Jahwe auf Elephantine mit der Göttin Anath vermählt war, warum
>>> sollen die in Palästina gefundenen Ostraka mit der Benennung "Jahwe
>>> und seine Ashera" weniger Aussagekraft haben?
>>>
>>> Mehr zu diesem Thema:
>>>
>>> http://www.uni-due.de/~gev020/course...enberger03.htm

>>
>>
>> Ich habe mir die Überreste samt Geschichte der jüdischen Einheit auf
>> Elephantine in Ägypten angesehen. Soweit schon richtig.Aber wer sagt
>> denn nun , dass "Jahwe" oder wie immer so geschrieben der Name des
>> Gottes der Israeliten war bzw. Ist.Nach dem Einsickern/Einwandern der
>> Israeliten in das als "Kanaan" bezeichnete Land gab es eine längere
>> Zeit sicherlich konkurierende Religionen.Speziell durch den
>> vorherrschenden Baalskult mit dem eher als Frühstücksdirektor
>> anzusehenden "El" als obersten Gott samt Göttergemeinschaft.Es war
>> eine Zeit des Übergangs der Israeliten von Nomandenleben zum Lebens
>> als Siedler und später Städter in eigentlich wenig besiedelten
>> Gebieten des Landes.

>
> Dazu schrieb ich Dir vor einiger Zeit:
>
> "Schließlich gelang es einer kleineren Gruppe, den in
> der Bibel erzählten Auszug aus Ägypten zu vollbringen, einen Pharao zu
> überlisten und in die Sinai-Wildnis zu entkommen. Das war die am meisten
> ägyptisierte Gruppe, unter der nicht wenige ägyptische Namen hatten:
>
> Moses, Hophni, Phineas, Puti-El.
>
> Und den erwähnten Hinweis, dass der Kult um die Götter des Exodus im
> Nordreich stattfand!
>
> Später, nach der Zerstörung des Nordreichs, sickerte die Erzählung ins
> Südreich und dessen Literatur ein. Gleichwohl bewahrt 2 Sam 7,23 (im hebr.
> Text) noch getreu den Hinweis:
>
> Und wer ist wie dein Volk, wie Israel...bei der Götter hingegangen sind um
> es loszukaufen!
>
> Korrekte Bibelübersetzungen wären zweckmäßig, aber aus Glaubenstraditionen
> wohl kaum erhältlich!"
>
> Nur wenige Israeliten kamen aus Ägypten, die meisten saßen in Palästina
> und
> übernahmen nach dem Niedergang der kanaanitischen Städte die
> Oberherrschaft.
>
>
>> Bei den zunehmenden Bemühungen der Abgrenzung zu
>> den vorhandenen Göttern hatte es gewiß noch längere Zeit
>> Überschneidungen oder Gemeinsamkeiten gegeben.Besonders auch deshalb,
>> weil die Israeliten den hier schon längere Zeit befindlichen Völkern
>> militärisch lange unterlegen waren.Sie gingen den Weg der geringsten
>> Konfontation mit den Ansässigen und siedelten dort wo Platz war und
>> wo die Wahrscheinlichkeit des Ausbruchs größerer Konflikte eher
>> unwahrscheinlich war.In der Religion zu den Ansässigen gab es den
>> Unterschied, dass die Kanaaniter eben ein Vielzahl von Göttern mit
>> unterschiedlichen Zuständigkeiten hatten und bei den Israeliten eben
>> der Gott der Juden alles zuu regeln hatte.

>
> Der Gott der Juden ist mE. allmählich durch Verschmelzung der
> Eigenschaften
> der vielen Götter entstanden.
>
>> Die" Vermählung "dürfte
>> eher ein Rest der zeitweiligen Vermischung religiöser Gedanken gewesen
>> sein.In spätere Zeit gab es noch viel weitergehende Glaubensrichtungen im
>> Judentum.Für das Gesamtbild halte ich diese
>> Einzelheiten eher für unwichtig, es sei denn man will eine neue
>> "Religion" gründen.

>
> Ist eigentlich schon geschehen, die Bahai-Religion. Ich habe mir deren
> Zentrum in Haifa mal angesehen, recht interessant!
>

Ich auch !! Eigentlich eine logisch nachvollziehbare Religion.Mich hatten
die Bahai hauptsächlich wegen der Verfolgungen interessiert denen sie
ausgesetzt waren und noch sind.Es ist eigtentlich sehr schön den Carmel
herunterzuwandern und dabei den Tempel der Bahai zu sehen.Mein Problem
dabei ist dass ich eben Atheist bin und mich diese Religionen aus dem
Zusammenhang mit der Historie interessierten.Auch die jüdische Religion kann
man nicht ohne den Zusammenhang in der geschichtlichen Entwicklung des
Volkes sehen.
Gruß Klaus


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