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| Newsgroup de.rec.film.kritiken Filmkritiken. |
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Johannes Pietsch wrote:
> Rena wrote: >>> Thomas 'PointedEars' Lahn schrieb: >>>> Rena wrote: >>>>> Wie gefällt Dir der neue Schpucki? >>> Den guck' ich mir wahrscheinlich morgen an. Bin gespannt, >>> Zachary Quinto kenne ich ja schon von "Heroes" als >>> hervorragenden Schauspieler, und da Leonard Nimoy bei diesem >>> Film sein Tutor war, lässt das auf einiges hoffen. >> Ja, es spielt ja alles von davor. Daher kann Zachary Quinto in der >> Rolle des Spock sehr überraschen und (sich für die Rolle) >> vielleicht aus der Vergangenheit neu programmieren/aquirieren... >> Bin gespannt, was Du dazu meinst. Will nicht zuviel verraten; >> sehenswert auf jeden Fall. > > Extrem sehenswert. In der Tat. Ja, man muss ihn wirklich gesehen haben, um zu wissen, wie schlecht er ist. Die Schauspieler sind zwar wie erwartet gut, auch wenn der Akzent von Chekov (der natürlich zu diesem Zeitpunkt auch noch nicht auf der Enterprise war, aber wir basteln uns ja hier eine neue Zeitlinie) ein bisschen dick auftragen ist; die Handlung^WPlotholes und -devices jedoch sind, ebenso wie der eigenwillige Soundtrack, gelinde gesagt stark gewöhnungsbedürftig. Denn das hinter diesem Film stehende Vermarktungskonzept ist leider nur allzu offensichtlich: Die long and prosper. J. J. Abrams, seines Zeichens Star-Trek-Nichtkenner und Star-Wars-Fan, hat hier in Kooperation mit Kurtzman/Orci (und *ohne* Berman!) geschafft, was nur sehr wenigen Regisseuren zuvor vergönnt war: Roddenberrys Idee von einer hoffnungsvollen Zukunft so in ein Star Wars-Alias-Lost-Mission Impossible-Märchen zu pervertieren, dass sie auch noch der Anspruchslosigkeit des heutigen Hollywood-Mainstream-Publikums (aktuell 8.4/10 auf IMDb, 95% auf Rotten Tomatoes) genügt. So patroullieren auf dem Planeten Tatooine^WErde des 23. Jahrhunderts Protokolldroiden auf menschenleeren Strassen in Schwebefahrzeugen, vor denen ein junger Luke Skywalker^W^WJames Tiberius Kirk lieber im geklauten Antik-Auto (wann endeten nochmal die Erdölreserven?) seines Stiefvaters flieht und beinahe in einen passend für ihn hinkonstruierten breiten und tiefen Abgrund (in Iowa!) stürzt, als einfach anzuhalten. Entsprechend sind Sternenflotten-Kadetten während des R&R (in der unvermeidlichen Raumhafen-Bar) bloss noch ein leicht provozierbarer Schlägertrupp (Jungs sind halt Jungs!), der nur durch die zweifelhafte Autorität eines Captain Solo^WPike¹ (der zufällig in dieselbe Bar stolpert!) zur Räson gebracht werden kann. Die Romulaner -- Hells Angels dieses Paralleluniversums --, die vor TOS ("Balance of Terror") noch nie jemand gesehen hat (Verhandlungen wurden bekanntlich nur über Subraumfunk geführt) sind bei ihrem ersten verfrühten Angriff anscheinend in Abrams' "Handels^WFöderation" weithin bekannt. Genauso wie die Cardassianer, unsere alten Kumpel, deren Getränke man folglich in Bars auf der Erde bereits fröhlich konsumiert. (Was ist eigentlich an einem cardassianischen Sonnenaufgang so toll?) Achja: /Rote/ Materie, die ein /Schwarzes Loch/ /im Kern eines Planeten/ erzeugt, durch das man /versehentlich/ /zeitreisen/ kann? Selbst ein am Bendii-Syndrom im Endstadium leidender (für Nicht-Trekker: völlig seniler) Spock hätte sich nicht *so* *einen* *Blödsinn* ausdenken können. Und schon gar nicht hätte er das Zeug literweise mit sich herumgeschleppt, wenn bereits ein Tropfen zum Kollaps (s)eines Planeten taugt. Von "... to explore strange new worlds, to seek out new life and new civilizations, to boldly go where no man has gone before.™" ist in diesem Film bloss noch "to boldly go", und von "science-fiction" nur noch "fiction" übrig geblieben -- und das konnte man nicht mal über das finanzielle Nemesis-Desaster sagen; sogar dessen Technobabble schlägt die grösstenteils unausgegorenen Dialogversuche in dieser Neuauflage in der gedanklichen Tiefe um Längen. Vor diesem intellektuellen Offenbarungseid retten dann auch die sehr guten SFXs (Enterprise ext.) und vor allem Quintos überzeugende Spock-Darstellung nicht mehr. Auch (der überraschend auftretende) Nimoy wirkte trotz bzw. in Folge seines hohen Alters im Rahmen des dann einfach nur noch albernen Plots (der junge Spock setzt den jungen Kirk per Notkapsel auf dem nahegelegenen Eisplaneten Hoth^W aus -- wo zufälligerweise Scotty stationiert ist -- statt ihn [Kirk] einfach in eine Zelle zu stecken) als alter Spock glaubwürdig -- man hatte fast ein bisschen Mitleid mit ihm, als er dem jungen Kirk die Erklärung für diesen ganzen groben Unfug liefern musste; er hatte sich wohl unter diesem Film auch ein bisschen was anderes vorgestellt, als er ihn promotete. Jennifer Morrison jedoch hat man offensichtlich nur engagiert, um einen bekannten Namen und ein bekanntes Gesicht mehr im Cast zu haben; zu mehr als unter Schmerzen den kleinen Jim zur Welt zu bringen (ausgerechnet während des romulanischen Angriffs natürlich, an Klischees mangelt es dem Film wahrlich nicht) und anschliessend mit Kirks Vater vor dessen heroischem Ableben über den Vornamen zu diskutieren, hat man sie hier nicht gebraucht. Weitaus interessanter wäre doch es gewesen, die Beziehung von Jim Kirk zu seiner Mutter und seinem Stiefvater an dieser Stelle einmal näher zu beleuchten. Aber so konnte man immerhin noch ein paar "House"-Fans ins Kino locken, um noch mehr Umsatz zum Ausgleich des $150 Mio.-Budgets generieren zu können. Dass vermutlich ein Grossteil der Besucher, mindestens aber die Fans des Phänomens /Star Trek/ wie wir es bisher kannten, spätestens nach der Hälfte dieses über zweistündigen Close-up-Armageddons wieder gegangen ist (oder zumindest so wie ich sehr sehr starke Kopfschmerzen bekam), interessiert anscheinend keinen; die Zahlen sprechen ja für sich. Soviel zum bisher finanziell erfolgreichsten Trek aller Zeiten. Mann[tm] kann nur hoffen, dass Regisseur und Autoren sich für das anscheinend unvermeidliche Sequel² die Star-Trek-DVDs (vor 2009) dann vorher auch wirklich *selbst* *ansehen* (und sich nicht nur nacherzählen lässen), und es so hoffentlich inhaltlich um Längen besser wird. Andernfalls heisst es auch dann wieder: Operation gelungen, Patient tot. Bewertung: 4 von 10. (Nun ist es doch eine Filmkritik geworden. Faszinierend.) X-Post de.rec.film.kritiken, F'up2 de.rec.film.misc PointedEars ___________ ¹ "You understand what the Federation is. It's important, it's a peace-keeping armada!" -- "Capt. Pike" to "Ens. James T. Kirk" in "Star Trek" (2009) ² <http://www.variety.com/article/VR1118001885.html?categoryid=1236&cs=1> |
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