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| Newsgroup de.etc.sprache.deutsch Die deutsche Sprache: Fragen, Antworten und Diskussionen. |
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#1
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Hallo everyone !
Zum erstenmal schreibe ich hier heute. Ich bin ein Kanadier der fuer mehrere Monate Deutsch lernt. Ich bin begierig etwas zu erwaehnen : Wenn ich ab und zu ein modernes deutsches Buch lese, bin ich oft ziemlich entmutigt, da ich darin haeufig Woeter begegne, deren Bedeutung selbst die besten und groessten Woeterbuecher nicht enthalten. Ich muss sagen dass die mir solchen unbekannten Woerter kommen haeufig in den Ausdruecken der eingeborenen Deutschen vor wenn sie unter einander aergelich argumentieren. Meine Frage ist : Warum beshaedigen sie die deutche Sprache auf diese Weise indem sie derartige "nicht-existierende" (mindestens, nicht in Woeterbuecher existierende) Woerter benutzen ??. Ich habe aber auch bemerkt dass gewoehnlich die hoch gebildeten Wissenschaftler oder Uni-Professoren wollen nie solche Worter anwenden> Was denken ueber derartige achtlose Behandlung der deutschen Sprache von manchen Deutschen? George |
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#2
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On 15 Mrz., 06:44, "george 2807" <muk...*hotmail.com> wrote:
> Hallo everyone ! > Zum erstenmal schreibe ich hier heute. Ich bin ein Kanadier der fuer mehrere > Monate Deutsch lernt. > Ich bin begierig etwas zu erwaehnen : Wenn ich ab und zu ein modernes > deutsches Buch lese, bin ich oft ziemlich entmutigt, da ich darin haeufig > Woeter begegne, deren Bedeutung selbst die besten und groessten > Woeterbuecher nicht enthalten. Ich muss sagen dass die mir solchen > unbekannten Woerter kommen haeufig in den Ausdruecken der eingeborenen > Deutschen vor wenn sie unter einander aergelich argumentieren. Meine Frage > ist : Warum beshaedigen sie die deutche Sprache auf diese Weise indem sie > derartige "nicht-existierende" (mindestens, nicht in Woeterbuecher > existierende) Woerter benutzen ??. Ich habe aber auch bemerkt dass > gewoehnlich die hoch gebildeten Wissenschaftler oder Uni-Professoren wollen > nie solche Worter anwenden> Was denken ueber derartige achtlose Behandlung > der deutschen Sprache von manchen Deutschen? Gäbest du konkrete Beispiele, könnte ich Stellung nehmen. So kann ich nur mutmaßen, dass es sich entweder um Trend- und Szenewörter mit kurzlebigen, kaum zeitgerecht zu katalogisierenden Bedeutungen handelt oder um Begriffe, die mit Derbheit, Scham oder Kränkung verknüpft sind und deshalb kaum im Schriftdeutsch Eingang finden. Gruß, Gunhild |
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#3
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george 2807 schrieb:
> Hallo everyone ! > Zum erstenmal schreibe ich hier heute. Ich bin ein Kanadier der fuer mehrere > Monate Deutsch lernt. > Ich bin begierig etwas zu erwaehnen : Wenn ich ab und zu ein modernes > deutsches Buch lese, bin ich oft ziemlich entmutigt, da ich darin haeufig > Woeter begegne, deren Bedeutung selbst die besten und groessten > Woeterbuecher nicht enthalten. Ich muss sagen dass die mir solchen > unbekannten Woerter kommen haeufig in den Ausdruecken der eingeborenen > Deutschen vor wenn sie unter einander aergelich argumentieren. Meine Frage > ist : Warum beshaedigen sie die deutche Sprache auf diese Weise indem sie > derartige "nicht-existierende" (mindestens, nicht in Woeterbuecher > existierende) Woerter benutzen ??. Ich habe aber auch bemerkt dass > gewoehnlich die hoch gebildeten Wissenschaftler oder Uni-Professoren wollen > nie solche Worter anwenden> Was denken ueber derartige achtlose Behandlung > der deutschen Sprache von manchen Deutschen? > Alle Sprachen sind so - auch die englische Sprache. Nicht alle Wörter erscheinen sofort im wörterbuch. Ich könnte mir wetten, dass Du selbst in Swinwm regelmäßigen Wortschatz einige Wörter hast, die nicht in einem "normalen" Wörterbuch erscheinen - oder mindestens nicht mit der selben Bedeutung -, weil dass Wort ein Regionalismus oder ein Dialektwort ist. Nur die Franzosen mit ihrem Academie Francaise versuchen - vergeblich - neue Wortschaffungen zu unterdrücken. Meines Erachtens ist die kreative Wortschöpfung Teil der Spannung beim Lernen einer Sprache (oder bei der Untersuchung der eigenen Muttersprache), auch wenn man oft die Neuschöpfungen kritisch betrachten muss. Wenn dieser Prozess nie stattgefunden hätte, würden die modernen Sprachen nicht existieren, da sie das Produkt eines solchen Prozesses über Jahrhunderte und Jahrtausende sind. Gruß, Einde O'Callaghan |
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#4
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Danke sehr Gunhild Simon und Einde O'Callaghan dass Sie beide auf mein
Schreiben beantwortet haben. Ich begreife doch die Tatsache dass jede lebendige Sprache entwickelt sich durch einen stetigen Vorgang indem man (d.h., die Sprecher der Sprache) immer neue Woerter od. Redensarten in die einschlaegige Sprache einzufuehren versucht. Deshalb ist es moeglich ab und zu solche neue Woerter zu begegnen, die in der Sprache noch nicht eingekoerpert sind. Trotzdem muss ich behaupten dass da die deutsche Sprache inszwischen sehr viel entwickelt ist, und einen ungeheuren grossen Sprachschatz und Wortschatz besitzt womit man eine jede komplizirte idee auszudruecken vermag, sehe ich, in der meisten Faelle, uberhaupt keine Noetigkeit ein nicht-existierendes Wort zu benutzen, wenn es schon ein passendes Wort in der deutschen Sprache (mit 99% Sicherheit) schon existert, es sei denn der Sprecher davon unwissend ist. Gruesse, George -------------------------- Gäbest du konkrete Beispiele, könnte ich Stellung nehmen. So kann ich nur mutmaßen, dass es sich entweder um Trend- und Szenewörter mit kurzlebigen, kaum zeitgerecht zu katalogisierenden Bedeutungen handelt oder um Begriffe, die mit Derbheit, Scham oder Kränkung verknüpft sind und deshalb kaum im Schriftdeutsch Eingang finden. Gruß, Gunhild ------------------------------------------- Alle Sprachen sind so - auch die englische Sprache. Nicht alle Wörter erscheinen sofort im wörterbuch. Ich könnte mir wetten, dass Du selbst in Swinwm regelmäßigen Wortschatz einige Wörter hast, die nicht in einem "normalen" Wörterbuch erscheinen - oder mindestens nicht mit der selben Bedeutung -, weil dass Wort ein Regionalismus oder ein Dialektwort ist. Nur die Franzosen mit ihrem Academie Francaise versuchen - vergeblich - neue Wortschaffungen zu unterdrücken. Meines Erachtens ist die kreative Wortschöpfung Teil der Spannung beim Lernen einer Sprache (oder bei der Untersuchung der eigenen Muttersprache), auch wenn man oft die Neuschöpfungen kritisch betrachten muss. Wenn dieser Prozess nie stattgefunden hätte, würden die modernen Sprachen nicht existieren, da sie das Produkt eines solchen Prozesses über Jahrhunderte und Jahrtausende sind. Gruß, Einde O'Callaghan |
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#5
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george 2807 wrote:
> Wenn ich ab und zu ein modernes > deutsches Buch lese, bin ich oft ziemlich entmutigt, da ich darin haeufig > Woeter begegne, deren Bedeutung selbst die besten und groessten > Woeterbuecher nicht enthalten. Ich bitte um drei Beispiele. Michael Dahms |
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#6
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Einde O'Callaghan <einde.ocallaghan*planet-interkom.de> wrote:
> Nur die Franzosen mit ihrem Academie Francaise versuchen - vergeblich - > neue Wortschaffungen zu unterdrücken. Im Gegenteil, die Akademie tut sich in der Prägung neuer Begriffe hervor. Inwieweit diese dann tatsächlich Verbreitung finden, ist eine andere Frage. -- Christian "naddy" Weisgerber naddy*mips.inka.de |
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#7
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On 2008-03-15 00:44:24 -0500, "george 2807" <mukhop*hotmail.com> said:
> Ich bin begierig etwas zu erwaehnen : Wenn ich ab und zu ein modernes > deutsches Buch lese, bin ich oft ziemlich entmutigt, da ich darin haeufig > Woeter begegne, deren Bedeutung selbst die besten und groessten > Woeterbuecher nicht enthalten. Ich muss sagen dass die mir solchen > unbekannten Woerter kommen haeufig in den Ausdruecken der eingeborenen > Deutschen vor wenn sie unter einander aergelich argumentieren. Meine Frage > ist : Warum beshaedigen sie die deutche Sprache auf diese Weise indem sie > derartige "nicht-existierende" (mindestens, nicht in Woeterbuecher > existierende) Woerter benutzen ??. Die Sprache wird durch Benutzung von Wörtern, die nicht im Wörterbuch stehen, keineswegs beschädigt. Ich finde im New Oxford American keine Einträge zu den Wörtern fucktard, bulldookey, ass hat, dumbfuck, road rash (NB: _nicht_ road rage), holler (im Sinne von tief im Wald, wo die Inzestler hausen) und viele andere. Trotzdem existieren diese Ausdrücke und Wörter, und man weiß auch ohne Wörterbuch, was sie bedeuten sollen, eh? -- Boy, sure would be nice if we had some grenades, don't you think? |
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#8
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Michael Dahms schrieb:
> george 2807 wrote: > >> Wenn ich ab und zu ein modernes >> deutsches Buch lese, bin ich oft ziemlich entmutigt, da ich darin >> haeufig >> Woeter begegne, deren Bedeutung selbst die besten und groessten >> Woeterbuecher nicht enthalten. > > Ich bitte um drei Beispiele. Ein typisches Beispiel für den Untergang des Ausländers findet man auf Seiten 12 und 13 des neuen Buches von Martin Walser, "Ein liebender Mann." Da heißt es: "Man hatte gegessen mit einander, geplaudert, die Erinnerung an das vergangene Jahr und das Jahr davor wieder wachgeplaudert." Ein Ausländer blättert verzweifelt in einem großen Wörterbuch nach und stellt zu seiner Überraschung fest, daß der Autor ein "nicht sanktioniertes Wort" verwendet hat, denn "wachgeplaudert" kommt in keinem Nachschlagewerk vor. Da steht "wachrufen", aber mancher Ausländer wird noch nicht in der Lage sein, "wachplaudern" ohne Wörterbucheintrag zu verstehen. Der Muttersprachler wird entscheiden müssen, ob Martin Walser mit "wachgeplaudert" etwas Schlechtes geschrieben oder ob er mit dem Wort in seinem Satz auf eine prägnante Weise ein herrliches kleines Bild für den Leser geschaffen hat. Anthony |
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#9
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Nachricht von george 2807:
> Danke sehr Gunhild Simon und Einde O'Callaghan dass Sie beide auf mein > Schreiben beantwortet haben. > Ich begreife doch die Tatsache dass jede lebendige Sprache entwickelt sich > durch einen stetigen Vorgang indem man (d.h., die Sprecher der Sprache) > immer neue Woerter od. Redensarten in die einschlaegige Sprache einzufuehren > versucht. Deshalb ist es moeglich ab und zu solche neue Woerter zu begegnen, > die in der Sprache noch nicht eingekoerpert sind. > Trotzdem muss ich behaupten dass da die deutsche Sprache inszwischen sehr > viel entwickelt ist, und einen ungeheuren grossen Sprachschatz und > Wortschatz besitzt womit man eine jede komplizirte idee auszudruecken > vermag, sehe ich, in der meisten Faelle, uberhaupt keine Noetigkeit ein > nicht-existierendes Wort zu benutzen, wenn es schon ein passendes Wort in > der deutschen Sprache (mit 99% Sicherheit) schon existert, es sei denn der > Sprecher davon unwissend ist. Du hast soeben die deutsche Sprache um das Wort "Nötigkeit" bereichert. Willkommen im Club! Jeder versteht, was du meinst, da das Wort aus einem bekannten Adjektiv "nötig" und der Substantivierungs-Endung "-keit" gebildet wurde. Man hätte auch "Notwendigkeit" oder "Erfordernis" sagen können, aber ... Übrigens: Der Begriff "Substantivierungs-Endung" oder "Substantivierungsendung" steht wahrscheinlich auch in keinem Wörterbuch. ;-) Sprache ist so flexibel. Im Englischen fällt das kaum auf, weil die Wortzusammensetzungen meist nicht zusammengeschrieben werden. > Gruesse, > George > -------------------------- > Gäbest du konkrete Beispiele, könnte ich Stellung nehmen. > > So kann ich nur mutmaßen, dass es sich entweder um Trend- und > Szenewörter mit kurzlebigen, kaum zeitgerecht zu katalogisierenden > Bedeutungen handelt oder um Begriffe, die mit Derbheit, Scham oder > Kränkung verknüpft sind und deshalb kaum im Schriftdeutsch Eingang > finden. Hättest du Beispiele gebracht, wie erbeten, könnte man dir antworten. Andreas |
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#10
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"Anthony Williamson" <anthonywilliamson53*yahoo.com> writes:
>AW: Nicht existierende Woerter benutzen, warum? Nicht »AW: «, sondern »Re: «. >Ein typisches Beispiel für den Untergang des Ausländers findet man auf »Ausländer« ist nach einem Wörterbuch ein »Angehöriger eines fremden Staates, ausländischer Staatsangehöriger oder Staatenloser«. Ein Ausländer (aus Sicht eines Bürger der Bundesrepublik Deutschland) kann durchaus gebürtig deutschsprachig sein oder hervorragende Deutschkenntnisse haben. Die Staatsangehörigkeit ist hier also die falsche Kategorie. >müssen, ob Martin Walser mit "wachgeplaudert" etwas Schlechtes Zum Deutschlernen gehört eben auch das Lernen deutscher Morphologie (hier: Kompositionssemantik). Die Vorstellung, daß ein Wort »nicht existiert«, weil es nicht in einem Wörterbuch zu finden ist, kann man ebenfalls noch einmal hinterfragen. Sie wird nicht einmal von den Herausgebern von Wörterbüchern vorgebracht. |
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