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Newsgroup de.alt.games.schach Das Spiel der Koenige.

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  #1  
Alt 11-10-2009, 05:58 PM
MichaWeinert
 
Beiträge: n/a
Standard Was tun, wenn der Gegner wiederholt zieht, schraubt, zurücknimmt, anders zieht?

Hallo Schachfreunde,

eine Regelfrage habe ich.
Was tun, wenn der Gegner mehrmals in der Partie folgendes macht:

1) Er nimmt eine Figur in die Hand,
2) plaziert sie auf dem Zielfeld,
3) schraubt sie dort fast ins Brett,
4) prüft und prüft den neuen Platz,
5) und stellt die Figur zurück auf das Ausgangsfeld.
6) Dann erholt sich mein Gegner, fasst Mut und dieselbe Figur erneut
und drückt sie auf ein anderes Zielfeld,
7) zögernd, weil er sie nicht loslassen mag.

Irgendwann ist es vollbracht und ich darf ran.

Was tun, wenn mein Gegner das Ritual mehrmals in der Partie wiederholt?

Micha

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  #2  
Alt 11-10-2009, 07:32 PM
Sven Joachim
 
Beiträge: n/a
Standard Re: Was tun, wenn der Gegner wiederholt zieht, schraubt,zurücknimmt, anders zieht?

Am 10.11.2009 um 20:18 schrieb Volker Gringmuth:

> Friedrich Volkmann wrote:
>
>> Andernfalls sehe ich keinen Handlungsbedarf, da kein Regelverstoß
>> vorliegt.

>
> Wie steht's mit "berührt - geführt"? Berührte eigene Steine müssen, wenn
> regelkonform möglich, gezogen werden, sofern nicht deutlich gesagt wurde,
> daß man die Figur nur zurechtrücken wollte.


Solange die Figur nicht losgelassen und damit ein regulärer Zug
ausgeführt wurde, kann der Spieler sie noch auf ein anderes Feld
umdirigieren, siehe Artikel 4.6 der FIDE-Regeln.

Allenfalls käme eine Reklamation gemäß Artikel 12.6 in Betracht, da
dieses Verhalten geeignet sein könnte, den Gegner zu stören. Ob man
damit beim Schiedsrichter durchkommt, ist allerdings eine andere Frage.
Immerhin informiert derjenige, der die Figur anfasst, ja den Gegner auf
seine eigene Zeit über den nächsten Zug.

Sven
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  #3  
Alt 11-10-2009, 07:33 PM
Gerald Fix
 
Beiträge: n/a
Standard Re: Was tun, wenn der Gegner wiederholt zieht, schraubt, zurücknimmt, anders zieht?

On Tue, 10 Nov 2009 20:18:17 +0100, Volker Gringmuth
<vgringmuth*gmx.net> wrote:

>Friedrich Volkmann wrote:
>
>> Andernfalls sehe ich keinen Handlungsbedarf, da kein Regelverstoß
>> vorliegt.

>
>Wie steht's mit "berührt - geführt"? Berührte eigene Steine müssen, wenn
>regelkonform möglich, gezogen werden, sofern nicht deutlich gesagt wurde,
>daß man die Figur nur zurechtrücken wollte.


Das hält er ja ein. Er zieht die Figur, die er ursprünglich
angefasst hat. Solange er sie nicht loslässt, kann er sie auf
ein anderes Feld stellen.

Im Gegensatz zu Friedrich kann ich mir durchaus vorstellen, dass
so ein Verhalten eine Störung im Sinne des Artikel 12.6 FIDE (Es
ist verboten, den Gegner auf irgendwelche Art abzulenken oder zu
stören) darstellt - zumindest, wenn der Gegner es penetrant
macht.

Ich weiß nicht, ob es zu solchen Fällen Urteile gibt. Was macht
man als Schiedsrichter, wenn ein Spieler kommt und sich
beschwert, sein Gegner bohre sich mit den Bauern in der Nase,
bevor er ziehe? Die Grenze ist hier fließend ... (Ich habe mal
gelesen, es sei verboten, mit dem Läufer den Kaffee umzurühren.)



__
Viele Grüße
Gerald Fix
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  #4  
Alt 11-10-2009, 07:57 PM
MichaWeinert
 
Beiträge: n/a
Standard Re: Was tun, wenn der Gegner wiederholt zieht, schraubt, zurücknimmt, anders zieht?

Gerald Fix schrieb:
>
> Im Gegensatz zu Friedrich kann ich mir durchaus vorstellen, dass
> so ein Verhalten eine Störung im Sinne des Artikel 12.6 FIDE (Es
> ist verboten, den Gegner auf irgendwelche Art abzulenken oder zu
> stören) darstellt - zumindest, wenn der Gegner es penetrant
> macht.
>



Natürlich ließ der Spieler die Figur auf dem Zielfeld NICHT los; dann
wäre ja alles klar gewesen.

Er störte mich aber schon deswegen, weil er, solange er Springer oder
Turm auf das "vorläufige" Zielfeld "schraubte", mit seinem Arm das Brett
abdeckte. Mit der Zeit gingen mir seine "Testzüge" jedenfalls schwer auf
den Keks.

Ich frage Euch, welcher FIDE-Hilfsparagraph mich bei einem Protest hätte
unterstützen können. Dass er formal rechtens handelte, wenn er die Figur
zurückstellte auf das Ausgangsfeld, und später woanders hin bugsierte,
ist mir klar.

Micha




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  #5  
Alt 11-10-2009, 09:43 PM
Volker Gringmuth
 
Beiträge: n/a
Standard Re: Was tun, wenn der Gegner wiederholt zieht, schraubt, zurücknimmt, anders zieht?

Gerald Fix wrote:

> Das hält er ja ein. Er zieht die Figur, die er ursprünglich
> angefasst hat.


Axo. Das war mir nicht klar. Lesen bildet


vG

--
"Wenn alle Chinesen, alle Inder so viele Autos wie wir haben, dann können
wir alle nochmal den Zündschlüssel umdrehen, 15 Minuten rumfahren, und dann
ist das Öl weg. Für immer. Und die Atmosphäre natürlich auch."
(Volker Pispers, "Bis neulich")

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  #6  
Alt 11-11-2009, 09:14 AM
MichaWeinert
 
Beiträge: n/a
Standard Re: Was tun, wenn der Gegner wiederholt zieht, schraubt, zurücknimmt, anders zieht?

MichaWeinert schrieb:

> Er störte mich aber schon deswegen, weil er, solange er Springer oder
> Turm auf das "vorläufige" Zielfeld "schraubte", mit seinem Arm das Brett
> abdeckte. Mit der Zeit gingen mir seine "Testzüge" jedenfalls schwer auf
> den Keks.
>
>


Ergänzend sei angemerkt:

Nach meiner Meinung bescheren solche "Probezüge" (d. h. Figur plazieren,
sie festhalten und sich umsehen, ob die Figur auf dem neuen Feld gut
steht) diesem Spieler einen Vorteil.

Er muss sich den Springer auf dem Zielfeld c5 nicht vorstellen - der
Springer steht dort ganz real, wenn auch nur vorübergehend.
Das ist Stellungsanalyse mit Bewegen einer Figur.

Micha
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  #7  
Alt 11-11-2009, 12:42 PM
Marius Fraenzel
 
Beiträge: n/a
Standard Re: Was tun, wenn der Gegner wiederholt zieht, schraubt, zurücknimmt, anders zieht?

MichaWeinert schrieb:

> Was tun, wenn mein Gegner das Ritual mehrmals in der Partie wiederholt?


Du solltest dden Schiedsrichter ansprechen, damit der das anschaut und
beurteilt.

"Mehrfach in der Partie" bedeutet was? Dreimal, viermal? Würde ich als
Schiedsrichter für absolut tolerabel halten. Ist auch kein so
ungewöhnliches Verhalten. Beoabachte ich öfter. Wenn es aber etwa bei
jedem zweiten Zug passieren würde, könnte ich mir schon vorstellen, dass
ich es, falls sich der Gegner beschwert, er fühle sich dadurch gestört,
dem Spieler verbieten würde.

Gruß, Marius


--
Elf Jahre drb!

http://bonaventura.musagetes.de/
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  #8  
Alt 11-11-2009, 01:45 PM
MichaWeinert
 
Beiträge: n/a
Standard Re: Was tun, wenn der Gegner wiederholt zieht, schraubt, zurücknimmt, anders zieht?

Marius Fraenzel schrieb:
> MichaWeinert schrieb:


> "Mehrfach in der Partie" bedeutet was? Dreimal, viermal? Würde ich als
> Schiedsrichter für absolut tolerabel halten. Ist auch kein so
> ungewöhnliches Verhalten. Beoabachte ich öfter. Wenn es aber etwa bei
> jedem zweiten Zug passieren würde, könnte ich mir schon vorstellen, dass
> ich es, falls sich der Gegner beschwert, er fühle sich dadurch gestört,
> dem Spieler verbieten würde.
>


Es war ein Mannschaftskampf, einen "gelangweilt herumlungernden" SR gab
es also nicht.

Beim 4.Mal sprach ich den jugendlichen Gegner auf sein Ritual ab. Denn
er hatte nicht einfach nur mit der Figur in der Hand auf dem Zielfeld
verweilt, um dann loszulassen, sondern jeweils den Zug wieder voll
zurückgenommen.

Der Gegner antwortete sinngemäß, er kenne die Berührt-Geführt-Regel. Und
solange er die Figur nicht loslässt, kann er sie auf das Ausgangsfeld
zurücknehmen, so oft er will.

Micha



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  #9  
Alt 11-11-2009, 02:49 PM
Gerald Fix
 
Beiträge: n/a
Standard Re: Was tun, wenn der Gegner wiederholt zieht, schraubt, zurücknimmt, anders zieht?

On Tue, 10 Nov 2009 20:57:29 +0100, MichaWeinert
<micha.weinert*gmx.net> wrote:

>Ich frage Euch, welcher FIDE-Hilfsparagraph mich bei einem Protest hätte
>unterstützen können. Dass er formal rechtens handelte, wenn er die Figur
>zurückstellte auf das Ausgangsfeld, und später woanders hin bugsierte,
>ist mir klar.


12.6.

Ich würde, wie Marius auch schon angemerkt hat, hier als
Schiedsrichter sehr spät eingreifen. Letztendlich gibt es hier
eine sehr breite Grauzone.

__
Viele Grüße
Gerald Fix
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  #10  
Alt 11-11-2009, 07:19 PM
Marius Fraenzel
 
Beiträge: n/a
Standard Re: Was tun, wenn der Gegner wiederholt zieht, schraubt, zurücknimmt, anders zieht?

MichaWeinert schrieb:

> Es war ein Mannschaftskampf, einen "gelangweilt herumlungernden" SR gab
> es also nicht.


Na, dann spricht man eben den eigenen Mannschaftsführer daraufhin an
oder auch gleich den gegnerischen. Eine Garantie, dass in Deinem Sinn
entschieden wird, hast Du ohnehin nicht, egal ob ein Schiedsrichter
anwesend ist oder nicht.

> Beim 4.Mal sprach ich den jugendlichen Gegner auf sein Ritual ab. Denn
> er hatte nicht einfach nur mit der Figur in der Hand auf dem Zielfeld
> verweilt, um dann loszulassen, sondern jeweils den Zug wieder voll
> zurückgenommen.


Dass es sich um einen jugendlichen Gegner handelt, hattest Du noch nicht
geschrieben, oder?. Den würde ich mir als Schiedsrichter wahrscheinlich
mal zur Seite nehmen und ihm sagen, dass sich das nicht "gehöre". Die
stellen solche Unsitten dann auch meist ab.

> Der Gegner antwortete sinngemäß, er kenne die Berührt-Geführt-Regel. Und
> solange er die Figur nicht loslässt, kann er sie auf das Ausgangsfeld
> zurücknehmen, so oft er will.


Bei der Umwandlungsregel hat sich da inzwischen schon was getan: Dort
gilt die Auswahl der Figur, in die der Bauer umgewandelt wird, als
abgeschlossen, sobald die Figur das Umwandlungsfeld berührt hat. Man
könnte ja eine analoge Regeländerung auch für normale Züge vorschlagen.
Ich selbst halte das für unnötig, da das von Dir beschriebene Verhalten
nur selten vorkommt, aber vielleicht sind ja die Schiedsgötter eher
Deiner Meinung.

Gruß, Marius


--
Elf Jahre drb!

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