![]() |
|
|||||||
| Newsgroup de.soc.politik.texte Politische Texte und Dokumente. |
![]() |
|
|
Themen-Optionen | Ansicht |
|
|
|
#1
|
|||
|
|||
|
Umgehende Fürsorge 06.11.2009 BERLIN (Eigener Bericht) - Die Bundesrepublik Deutschland schuldet den "Reichsbahn"-Deportierten mindestens 440 Millionen Euro. Dies geht aus einem Gutachten hervor, das an diesem Wochenende in Berlin veröffentlicht wird. Herausgeber ist der zivilgesellschaftliche Verein "Zug der Erinnerung", der sich seit mehreren Jahren der "Reichsbahn"-Opfer annimmt. Nach unvollständigen Erhebungen wurden mehr als vier Millionen Menschen auf dem Schienenweg in die NS-Lager verschleppt. Unter ihnen befanden sich etwa eine Million Kinder und Jugendliche. Deportationsopfer aus Deutschland, sofern sie Juden waren, mussten ihren Weg in den Tod selbst bezahlen. Pro Person und Kilometer berechnete die "Deutsche Reichsbahn" 2 Pfennige (heute etwa 12 Cent). Für einen Massentransport von Berlin nach Auschwitz nahm das Unternehmen in heutiger Währung rund 60.000 Euro ein. Wie das Gutachten feststellt, wurden diese Gelder den Überlebenden sowie den Angehörigen der Toten nie erstattet. Zahlreiche Opfer leiden an den psychischen Spätfolgen des Deportationsgeschehens oder sind auf soziale Hilfe angewiesen, insbesondere in Polen. Schuldner sind die juristischen Erben der "Reichsbahn", die durch den Bundesverkehrsminister und den Bundesfinanzminister vertreten werden. Anlässlich des Jahrestages der Novemberpogrome appelliert das Gutachten an die deutschen Behörden unddie Unternehmen der deutschen Eisenbahnindustrie, "ihrer Verantwortung gerecht zu werden." Das "Reichsbahn"-Gutachten, das dieser Redaktion vorliegt, beziffert erstmalig eine Gesamtsumme der Deportationseinnahmen. Sie beträgt 444 Millionen Euro und setzt sich aus Einzelerhebungen zusammen, die verschiedene Opfergruppen und Logistikleistungen betreffen. So begann die Mordbeihilfe der "Reichsbahn" bereits mit Beginn der NS-Herrschaft, als tausende Häftlinge in die ersten Konzentrationslager verschleppt wurden. Eigentlicher "Auftakt zur Vernichtung" [1] war die "Polen-Aktion", die den Novemberpogromen des Jahres 1938 unmittelbar folgte. Ohne Vorankündigung ließ die Berliner Regierung etwa 17.000 Juden polnischer Herkunft nach Osten deportieren - mit der "Deutschen Reichsbahn". Nach Ankunft auf den Grenzbahnhöfen wurden die Deportierten gewaltsam auf polnisches Gebiet getrieben. Dabei kam es zu zahlreichen Todesfällen. Für diese wie für die folgenden Mordbeihilfen stellte die "Reichsbahn" ihre üblichen Gruppentarife in Rechnung. "Umsiedlungsmaßnahmen" Auch an den einsetzenden Behinderten- und Krankenmorden ("Euthanasie") war die "Reichsbahn" als Dienstleister beteiligt. Bei einer Gesamtzahl von etwa 128.000 Ermordeten [2] geht das jetzt vorgelegte Gutachten von etwa 60.000 Opfern aus, "die mit der 'Reichsbahn' verschleppt wurden". Dies entspricht einer Einnahmenhöhe von über 4 Millionen Euro. Wenigstens6 Millionen Euro in heutiger Währung nahm das staatliche "Reichsbahn"-Unternehmen bei der Verschleppung von Sinti und Roma ein. Wie bei allen anderen Berechnungen geht das Gutachten auch hier von den niedrigsten Opferzahlen aus. Bei etwa 860.000 Zivilpersonen, die in Polen bei sogenannten Umsiedlungsmaßnahmen verschleppt wurden, rechnet das Gutachten der Bahn-Beihilfe eine Opferzahl von 600.000 Menschen an. Die Einnahmen belaufen sich auf wenigstens 21 Millionen Euro. Milliardenbetrag Bereits vor Kriegsbeginn habe die wirtschaftliche Expansion der "Reichsbahn" wesentliche Voraussetzungen für die späteren Deportationen im europäischen Maßstab gelegt, heißt es in dem Gutachten. Durch die Eroberung der später okkupierten Staaten und ihrer Infrastrukturunternehmen seien diese Vorarbeiten ausgefüllt und zur Vollendung gebracht worden. Nur so hätten Großtransporte zehntausender "Reichsbahn"-Züge mit den Deportierten der größten Opfergruppe, die zwischen Oslo und Athen in die Vernichtungslager geschleust wurde, in betrieblicher Ordnung vonstatten gehen können. Laut Gutachten nahm die "Reichsbahn" für die jüdischen Todeszüge einen Betrag von mindestens 302 Millionen Euro ein. Das Gutachten verzichtet auf die Berechnung von Zins und Zinseszinsen. Die Autoren halten es "für wahrscheinlich, dass eine erschöpfende, sämtliche Quellen einbeziehende Erhebung einen höheren Milliardenbetrag zum Ergebnis haben wird."[3] Festakt Keine der bisherigen Bundesregierungen und ihrer Fachministerien hat es bisher unternommen, die den Deportierten abgepressten "Reichsbahn"-Einnahmen und die ihnen zugefügten Schäden auch nur annähernd zu beziffern, geschweige zu entgelten. Noch im Mai 2008 hieß es aufgrund einer Anfrage im Deutschen Bundestag: "Der Bundesregierung liegen hierzu keine aufbereiteten Daten vor."[4] Mit derselben Einsilbigkeit bestätigte ein Sprecher des Berliner Verkehrsministeriums, einer Nachfolgebehördeder Tatverantwortlichen, dass von der "Deutschen Bundesbahn keine Zahlungen an die von der 'Deutschen Reichsbahn' Deportierten geleistet" wurden. Diese finanzielle Zurückhaltung legt die Bundesregierung beim Gedenken an die Geschichte des deutschen Eisenbahnwesens nicht immer an den Tag, heißtes in dem Gutachten. Demnach zahlte der deutsche Staat rund 20 Millionen DM, um die Erinnerung an die erste Eisenbahnfahrt zwischen Nürnberg und Fürth vor 150 Jahren wachzuhalten (1985). Im kommenden Jahr will Berlin das inzwischen 175. Jubiläum erneut mit kostspieligen Feiern begehen. Hilfsfonds Das Gutachten weist darauf hin, dass den überlebenden "Reichsbahn"-Opfern schnell und unbürokratisch Hilfe geleistet werden muss, da ihnen oft nur eine kurze Lebenszeit bleibt. "Insbesondere den gebrechlichen Überlebenden, die als Kinder und Jugendliche mit der 'Reichsbahn' verschleppt wurden, muss unsere umgehende Fürsorge gelten", schreiben die Autoren vom "Zug der Erinnerung". Sie rufen zur Schaffung eines Hilfsfonds auf, in den die von der Bundesrepublik geschuldeten Summen aus den Massendeportationen der "Reichsbahn" eingezahlt werden sollen. Bitte lesen Sie auch unser EXTRA-Dossier Elftausend Kinder (http://www.german-foreign-policy.com...r/berichte.php).. [1] Jerzy Tomaszewski: Auftakt zur Vernichtung. Die Vertreibung polnischer Juden aus Deutschland im Jahre 1938, Osnabrück 2002 [2] Uwe Kaminsky: Die NS-"Euthanasie". Ein Forschungsüberblick. In: Klaus-Dietmar Henke (Hg.): Tödliche Medizin im Nationalsozialismus. Köln 2008. [3] Gutachten über die unter der NS-Diktatur ewrzielten Einnahmern der "Deutschen Reichsbahn" an Transportleistungen zur Verbringung von Personern aus dem Deutschen Reich und dem okkupierten Europa in Konzentrationslager und ähnliche Einrichtungen sowie zwischen diesen Einrichtungen einschließlich ihrer Nebenstellen. Ohne Berücksichtigung der von der "Deutschen Reichsbahn" durchgeführten Transporte von Zwangsarbeitern. Berlin 2009. [4] Deutscher Bundestag, Drucksache 16/9206, 15.05.2008 Q: "Informationen zur Deutschen Außenpolitik" (german-foreign-policy.com) http://www.german-foreign-policy.com/de/fulltext/57665 -- ------------------------------------------------------------- Dieser Text unterliegt dem Urheberrecht und dient exklusiv Ihrer persönlichen Information. ------------------------------------------------------------- |
![]() |
| Themen-Optionen | |
| Ansicht | |
|
|
Ähnliche Themen
|
||||
| Thema | Erstellt von | Forum | Antworten | Letzter Beitrag |
| Die Fürsorge hat mir das Geld gesperrt | Alexander Moshe | Newsgroup de.soc.arbeitslos | 4 | 03-14-2009 02:36 PM |
| Die Fürsorge hat mir das Geld gesperrt | Alexander Moshe | Newsgroup de.comm.anbieter.mobil | 10 | 03-14-2009 02:36 PM |
| Die Fürsorge hat mir das Geld gesperrt | Alexander Moshe | Newsgroup de.comm.anbieter.mobil | 0 | 03-07-2009 05:30 PM |